Mumbai – Good-Bye Indien

23. Januar – Tag 41

Mein Start in den Morgen ist hart: Erst schellt der Wecker um 3:00 Uhr und dann kommt kein warmes Wasser aus der Dusche! Nun ja, die Geschichte mit dem warmen Wasser ist halt irgendwie immer Glückssache – und kein Standard in hiesigen Hotels!

Ich räume meine letzten Sachen wieder in den Rucksack ein… es ist Zeit zu gehen… kurz vor Vier. Mein Taxi wartet unten bereits vor der Tür des Hotels… eine Dreiviertelstunde Fahrt bis zum Flughafen.

Sechs Wochen sind vorbei – und wie im Fluge vergangen… kaum zu glauben! Auch obwohl ich mich schon irgendwie wieder auf Zuhause freue… zwei, drei Wochen hätte ich bestimmt noch so weitermachen können. Und zu sehen hätte es noch jede Menge gegeben – da bin ich noch lange nicht „fertig“ mit Indien – einem Land der Superlative in jeglicher Hinsicht, einem Land der harten Kontraste, einem Land mit wundervollen Menschen und einer unglaublich reichen und vielfältigen Geschichte.

Indien zu erleben – das bedeutet mehr, als sich einfach nur ein paar Tempel anzuschauen. Ich habe genau die Momente am meisten genossen, in denen ich Kontakt zu den Menschen hier hatte – auch obwohl es da schon mal nervige Situationen gegeben hat.

Indien zu verstehen bedeutet noch mehr… das bedeutet, sich auf eine andere Denkweise einzulassen, gewohnte Werte und Bilder in Frage zu stellen – und die Offenheit zu haben auch diesen anderen Weg gehen zu können. Denn – wie ihr in meinen Beschreibungen sicherlich bemerkt habt – in vielerlei Hinsicht ticken die Uhren hier anders!

Am Flughafen in Mumbai herrscht dann schon – für diese frühe Uhrzeit – mächtiger Trubel. Aber das Einchecken funktioniert problemlos und wenig später sitze ich am Gate und warte auf das Boarding.

Der vorgesehene Abflug verschiebt sich dann irgendwann still und heimlich von 7:00 Uhr auf 7:15 Uhr. Air India hält es nicht so genau mit der Pünktlichkeit – ist meine Feststellung zumindest. Aber ich habe dieses Mal ja ausreichend Zeit um in Delhi umzusteigen – kein Grund zur Panik also.

Als der Herr dann beim Boarding meine Bordkarte unter den Scanner hält, wird das Licht nicht – so wie bei den Passagieren vor mir in der Reihe – grün, sondern springt auf rot! Na prima, denke ich noch… was stimmt den jetzt nicht? Der Mitarbeiter von Air India macht zwei, drei Eingaben auf der Tastatur und sagt zu mir: „You have been upgraded!“ Das hört man gerne! Ich darf also nach Delhi ganz offiziell Businessklasse fliegen – da hat es der Gott der Luftfahrt also noch mal gut mit mir gemeint zum Ende meiner Reise!

Mit dem Bus werden wir zum Flugzeug gebracht… aber irgendwie habe ich das Gefühl, der Fahrer will uns mit seinem Gefährt persönlich nach Delhi bringen… wir fahren und fahren – bis schon überhaupt kein Flugzeug mehr in Sicht ist. Fast eine Viertelstunde „schleichen“ wir bei 30 km/h über das Vorfeld… und fahren vom Inlandsflughafen zum internationalen Teil. Schließlich hält der Bus dann vor einem Airbus A321 – alles aussteigen bitte!

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In Reihe 3 darf ich es mir bequem machen – und zur Abwechslung mal die neidischen Blicke der Herrschaften genießen, die an mir nach hinten in die Economy-Klasse vorbeiziehen. Vor dem Start gibt es dann erst einmal feuchte Tücher und einen Fruchtsaft zur Erfrischung… so macht das Fliegen gleich noch mehr Spaß!

Um 8:00 Uhr wird das Flugzeug dann von seiner Parkposition zurückgeschoben und gut zehn Minuten später erheben wir uns in die Lüfte… in Richtung Delhi. Der Flug dauert 1 Stunde und 35 Minuten und wir landen wie angekündigt um 9:45 Uhr in der Hauptstadt Indiens. Dort werde ich auch schon mal etwas auf deutsche Wetterverhältnisse vorbereitet und langsam abgekühlt – draußen herrschen für hiesige Verhältnisse eisige 12 Grad!

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Um 11:00 Uhr habe ich dann den gesamten Parcours aus Sicherheitskontrollen und Ausreiseformalitäten durchlaufen und halte meine neue Boardingkarte für den Flug nach Frankfurt in Händen… und jetzt heißt es mal wieder: Abwarten! Der Abflug ist für 13:35 Uhr angesetzt und bisher gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich der Start noch verschieben könnte… aber ich will den Tag nicht vor dem Abend loben!

Und es kommt, wie es kommen muss – erst steht als Abflugzeit 14:00 Uhr auf der Anzeigetafel… und letztendlich heben wir erst um Halb Drei ab. Aber trotzdem sollen wir – zumindest laut Bordcomputer – schon um 17:30 Uhr in Frankfurt landen! Mir soll es recht sein… aber ich bin trotzdem skeptisch, ob wir das schaffen werden.

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6650 Kilometer liegen schlussendlich hinter mir als wir um 18:41 Uhr in Frankfurt aufsetzen – nach achteinhalb Stunden Flug. Wieder zurück in Deutschland… und wieder zurück in der Kälte! Brrrrr! Aber dass es so kalt ist hier hätte ich nicht gedacht…

Abschließend hoffe ich, dass ihr ein wenig Spaß hattet mich zu begleiten auf meinem kleinen Abenteuer… und vielleicht auch das eine oder andere über dieses faszinierende Land erfahren habt, das ihr noch nicht wusstet. Für mich war es eine fantastische Reise – mal wieder! Indien ist mir „ans Herz gewachsen“… und ich bin sicherlich nicht zum letzten Mal dort gewesen – wenn mich auch das Fernweh auf meiner nächsten größeren Reise wahrscheinlich erst einmal in eine andere Ecke der Welt ziehen wird. Aber Pläne gibt es viele… ich werde sehen, wo das denn genau sein wird. Und werde davon berichten – wenn es wieder soweit ist!

In diesem Sinne zum vorerst letzten Mal: Namaste! … wo immer ihr auch gerade seid!

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Mumbai – Wiedersehen mit einer alten Bekannten

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22. Januar – Tag 40

Um 7:00 Uhr erreicht mein Nachtbus seine Endstation „V.T.“ – das steht für Victoria Terminus, den Hauptbahnhof von Mumbai – ein Bahnhof mit einem täglichen Passagieraufkommen von 3 Mio. Fahrgästen. Ich bin wieder zurück und am Ende meiner Reise zugleich!

Die Fahrt war zwar wieder etwas holprig, aber ich wurde wirklich angenehm überrascht! Der Bus heute Nacht war um Klassen besser ausgestattet als das Gefährt auf dem Weg von Goa nach Hampi!

Es gab Ein- und Zwei-Bett-Kojen – jede jeweils versehen mit einem Flatscreen-Fernseher und einer Steckdose und einer warmen Decke, dem wichtigsten Utensil bei solch einer Fahrt! Zudem war nach meiner Empfindung dieser Bus wesentlich sanfter gefedert und der Motor deutlich weniger laut. Alles in allem also eine positive Erfahrung! Und dass auch hier die Kabinen nur 1,90 Meter groß waren, liegt halt an der Anatomie der Inder – denn die sind einfach nicht so lang! Aber ich habe von Zeit zu Zeit ein Bein aus dem Bett hängen lassen… das ging auch!

Ein Taxi bringt mich zum Hotel einige Meter die Straße hinab… ich bin schon etwas „gerädert“ und habe keine Lust darauf, meinen Rucksack zu schleppen. Das Hotel (http://www.hoteloasisindia.in) hatte ich bereits im voraus reserviert, denn in Mumbai ist halt alles anders! Und hier ein brauchbares Hotel zu finden zu einem vernünftigen Preis ist ohne Reservierung wohl ein Ding der Unmöglichkeit. Und trotzdem hat sich der Preis für eine Übernachtung – gemessen am Standart des Hotels – mal eben verdoppelt. Eine Nacht in der von mir ausgesuchten und absolut durchschnittlichen Herberge kostet immerhin 2.000 Rs.!

Und damit sind wir direkt beim Thema… denn das ist schließlich schon mein zweiter Besuch in Mumbai. Vor drei Jahren war Mumbai auch der Endpunkt auf meiner letzten Indientour. Und schon damals habe ich bemerkt – wie schon bei den Hotelpreisen – dass in Mumbai alles anders ist als im Rest von Indien – und doch ist Mumbai ein Konzentrat von Indien! Mumbai ist lauter, größer, bunter, anstrengender… eine unglaubliche Mischung aus allem, was typisch indisch ist… und das alles noch verfeinert mit einer guten Portion „anders sein“! Irgendwie fällt es mir schwer, das besser auszudrücken. Ich hoffe, ihr versteht trotzdem, was ich damit meine.

Ich könnte seitenweise über diese Stadt schreiben… über das, was sie ist und was sie ausmacht – aber das würde zu weit führen! Mumbai ist Mumbai eben! Hier spielt das Leben der indischen High Society, in dieser Stadt gibt es alles, was es auch in jeder anderen Metropole von Weltrang gibt! Mumbai ist der finanzielle Dreh- und Angelpunkt Indiens… hier werden die großen Geschäfte abgeschlossen und hier befindet sich auch die Börse! Delhi mag die offizielle Hauptstadt Indiens sein – mit dem Parlament und all den Ministerien – die wirkliche gelebte Hauptstadt ist Mumbai!

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Nachdem ich den Vormittag habe gemächlich angehen lassen, bin ich dann gegen Mittag langsam losgelaufen zum Gate of India, dem Wahrzeichen Mumbais. Abgesehen mal davon befindet sich dort direkt um die Ecke das Büro der Agentur Reality Tours and Travel (http://www.realitytoursandtravel.com), bei denen ich eine Tour durch den Dharavi-Slum gebucht habe.

Was sich jetzt aber vielleicht wie übler „Katastrophentourismus“ anhört, hat eine deutlich andere Ausrichtung! Denn Reality Tours ist Teil einer Organisation, die versucht durch soziale Projekte in eben genau diesem Slum die Situation für die Bewohner zu verbessern – und 80% der Einnahmen von Reality Tours werden hierfür verwandt.

Bevor ich jetzt eine kurze Zusammenfassung meines Nachmittags abliefere, muss ich noch was „beichten“… ich war heute Mittag hier bei McDonalds essen. Mich hat es einfach überkommen… und ich konnte der Versuchung nicht widerstehen!

Wobei… so ganz das „richtige“ Burger-Erlebnis war es dann doch nicht. Denn hier gibt es natürlich kein Rindfleisch zwischen den Papp-Brötchen! Wir erinnern uns: Die Kuh ist schließlich heilig – und kommt hier maximal in den Tempel, aber bestimmt nicht auf den Burger! Dafür gab es bei mir dann das Chicken Maharaja Mac-Menü, mit Cola und Fritten mit Ketchup!

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Kurz zur Tour: Wir sind vom Büro von Reality Tours aus mit dem Wagen nach Dharavi gefahren. Nur um zuerst mal einer langläufigen irrigen Annahme entgegenzuwirken: Dort herrschen nicht Mord und Todschlag! Dharavi ist einfach nur ein Stadtteil, in dem unglaublich viele Menschen leben und arbeiten – unter ziemlich dramatischen Bedingungen – und zwar genau 1 Mio. Menschen auf einer Fläche von 1,75 km². Das sind 570.000 Einwohner je Quadratkilometer! Nur zum Vergleich: In Frankfurt teilen sich gut 2.800 Einwohner einen Quadratkilometer.

Insgesamt leben schätzungsweise 8 Mio. Einwohner in Mumbai in Slums – das ist über die Hälfte der Gesamteinwohnerzahl.

Die Versorgung mit Strom und Wasser in Dharavi ist weitgehend stabil… allerdings sind die sanitären Bedingungen katastrophal: 1.440 Einwohner teilen sich dort eine Toilette – rein statistisch.

Ein großer Teil der ansässigen Betriebe beschäftigt sich mit Recycling – vornehmlich von Kunststoff und Metallen.

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Ein Teil der „Bedingung“ für die Tour war, dass man keine Fotos von den Menschen macht! Verständlich, wenn man sich vorstellt wie wir dekadenten Westler zuhause unseren Freunden die Bilder hinhalten und dazu sagen: „Schau mal! Die armen Inder!“ Denn es ist sicherlich niemandes Wunsch gewesen, der dort gelandet ist, so leben zu müssen! Aber die Menschen in Dharavi sind trotzdem nicht unglücklich – auch wenn noch sehr viel zu verbessern ist! Und daran arbeiten ja auch die Leute von Reality Tours und Reality gives (http://www.realitygives.org), der Schwester-Organisation, die die Projekte dann vor Ort umsetzt.

Vielleicht nehmt ihr euch ja mal die Zeit auf die Website von Reality gives zu surfen… dort kann man einen kleinen Überblick über deren Arbeit bekommen. Und ich sollte noch erwähnen, dass sie das alles ohne staatliche Unterstützung bewerkstelligen!

Ich zumindest habe eine ordentliche Spende dort gelassen – denn ich finde diese Arbeit wirklich sehr unterstützenswert!

Und auf dieser Internetseite von Reality Tours gibt es noch offizielle Fotos aus Dharavi: https://www.flickr.com/photos/119419058@N08/sets/72157641841763365/

Und wenn ihr den Film Slumdog Millionaire gesehen habt, dann erkennt ihr auch diese Rohrleitung wieder…

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Ach, da war ja noch was… morgen in der Frühe um 7:00 Uhr geht mein Flug nach Delhi. Und von dort fliege ich weiter nach Frankfurt! Um 18:00 Uhr soll der Flieger wieder auf heimischem Boden aufsetzen!

Und ich freu‘ mich schon darauf euch alle wiederzusehen! Nur die Sache mit dem Wetter… da müssen wir noch mal drüber sprechen!

Namaste! … wo immer ihr auch gerade seid!

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Badami – Affentheater am Bahnhof

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21. Januar – Tag 39

In Badami stellt sich mir heute Morgen die Frage: Wie jetzt weiter? In der Nähe befindet sich noch das Dörfchen Pattadakal, welches mit seinen Tempeln sogar die Auszeichnung Weltkulturerbe führt. Aber trotz der vermeintlich räumlichen Nähe sind es mit dem Bus gut anderthalb Stunden Fahrt bis dorthin. Und ich stelle mir die Frage, ob ich dorthin zum Abschluss noch einen Abstecher wagen soll.

Aber die Planung für meine restliche Reise ist schon ziemlich „festgezurrt“: Heute Abend fährt mein Nachtbus um 21:00 Uhr von Bijapur nach Mumbai – und den will ich auf keinen Fall verpassen. Denn das hätte wirklich weitreichende Konsequenzen für meinen weiteren Reiseverlauf… und auch meinen Rückflug!

Das wirkliche Problem bei meiner Planung ist nun allerdings die Tatsache, dass es nur wenige Züge auf der Strecke von Badami nach Bijapur gibt – einen morgens um 9:30 Uhr und dann erst wieder einen um 16:20 Uhr. Und dieser späte Zug würde um kurz vor Acht in Bijapur ankommen. Der Bahnhof liegt aber natürlich am anderen Ende der Stadt – der Busbahnhof, von wo der Nachtbus abfährt, im Stadtzentrum. Wenn jetzt dieser Zug Verspätung hat, geht meine gesamte Reiseplanung nicht mehr auf! Und das mit der Verspätung ist hier ja so eine Sache – wie meine letzten Fahrten mit der Bahn gezeigt haben. Es kann gut gehen – muss aber nicht!

Alternativ könnte ich auch von Badami nach Bijapur mit dem Bus fahren. Hierbei gibt es allerdings das Erschwernis, dass es keinen durchgehenden Bus gibt… d.h. zuerst bis zu einem Örtchen namens Kulgeri fahren, welches an der Schnellstraße nach Bijapur liegt und dort umsteigen in einen anderen Bus. Irgendwie funktioniert das schon, das weiß ich ja… aber am Ende entscheide ich mich für die sichere Seite und nehme den Zug um 9:30 Uhr. Alles andere birgt einfach zu viele unkalkulierbare Faktoren… und die Tempel in Pattadakal müssen bei dieser Reise leider auf meinen Besuch verzichten.

Gegen kurz vor Neun mache ich mich also mit der Motor-Rikscha auf den Weg zum Bahnhof, der in gut 5 Kilometern Entfernung zur Ortschaft liegt. Dort angekommen hat der Fahrkartenschalter noch geschlossen… Nun ja, zur Not fahre ich eben ohne Fahrkarte und löse beim Schaffner nach. So gewaltig sind die Zuschläge hier ja nicht, dass ich mir darüber Gedanken machen würde. Die reguläre Fahrkarte von Badami nach Bijapur kostet übrigens 30 Rs. – knapp 50 Cents – für eine dreieinhalbstündige Fahrt und 124 Kilometer Distanz. Der Passengertrain braucht halt eine Stunde länger als der Express.

Irgendwann bewegt sich dann der Vorhang, der den Fahrkartenschalter vor neugierigen Blicken schützen soll… in der Zwischenzeit hat sich aber schon eine Menschentraube vor dem Fenster mit dem kleinen Loch in der Mitte angesammelt. Und als der Vorhang dann nach weiteren Minuten des Wartens endgültig zur Seite gezogen wird, gibt es kein Halten mehr für die Massen! Ihr könnt euch das Bild ungefähr vorstellen. Mit meinem Gepäck versuche ich tapfer meine Stellung zu behaupten, verliere aber dann doch im allgemeinen Chaos einige Plätze an meine Mitstreiter… schaffe es dann aber doch unbeschadet bis zum Mann am Schalter vorzudringen und mein Ticket zu erstehen.

Zu erwähnen wäre noch, dass an diesem Bahnhof auch eine gefährliche Bande ihr Unwesen treibt… eine Affenbande! Kein Scherz! Ein Rudel von Affen hat sich hier auf dem Bahnhofsgelände eingenistet und stiehlt den Reisenden alles, was essbar ist oder danach aussieht! Akrobatische Szenen gibt es da zu beobachten… aber während meiner Anwesenheit heute morgen konnte ich keinen großen Coup der kleinen Verbrecher beobachten… aber Versuche gab es schon einige!

Um 8:40 Uhr geht es dann los… fast schon planmäßig. Der Zug ist relativ voll besetzt, aber ich finde trotzdem schnell einen Sitzplatz.

Die Fahrt verläuft verhältnismäßig unprätentiös… und draußen zieht eine karge, trockene Landschaft vorbei – der staubige Norden von Karnataka.

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12:48 läuft der Zug dann in Bijapur ein… unglaublich! Wir stellen neue Geschwindigkeitsrekorde auf – denn planmäßig war die Ankunft erst für 13:00 Uhr vorgesehen!

Aber was mache ich jetzt mit dem angebrochenen Tag… und vor allem wohin mit meinem ganzen Gepäck? Denn damit macht es wirklich keinen Spaß unterwegs zu sein…

Vor dem Bahnhof gönne ich mir erst einmal eine süße Kleinigkeit. Hier in der Gegend gibt es tolles Blätterteiggebäck – süß mit kandierten Früchten oder würzig mit Gemüse. Und dazu einen Chai!

Mit meinem Verhalten bringe ich allerdings die gesamte Schar der Motor-Rikscha-Fahrer vorm Bahnhof durcheinander… denn dass man als westlicher Tourist hier einfach „rumlungert“ scheint für die Truppe etwas neues zu sein – mal ganz davon abgesehen, dass sie natürlich Kundschaft suchen. Aber da müssen sie auf mich heute verzichten – in Bijapur gibt es ein ziemlich gutes Stadtbus-Netz. Und nachdem ich ihnen die Nummer der entsprechenden Buslinie und den Fahrpreis runtergebetet habe, lassen sie von mir ab. Sie haben dann wohl bemerkt, dass ich mich hier etwas auskenne…

Die Gepäckfrage löse ich dann so, dass ich einfach noch mal an meinem letzten Hotel hier in Bijapur vorbeischaue… wie sollten sie es auch ablehnen können für ein paar Stunden meine Sachen „zu hüten“… und es funktioniert!

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Von hier mache ich mich dann auf den Weg zum Ibrahim Rauza-Mausoleum… und verbringe dort des Rest des Nachmittags – einerseits mit Fotografieren, andererseits damit, Indern ihre Fragen zu beantworten und Fotowünsche zu erfüllen… was mir mittlerweile auch etwas auf die Nerven geht. Weil man wirklich fast keine 500 Meter durch die Gegend laufen kann ohne angesprochen zu werden. Aber sei’s drum…

Heute Nacht geht es nach Mumbai – mit dem Nachtbus! Ich werde versuchen morgen noch Bericht zu erstatten!

Namaste! … wo immer ihr auch gerade seid!

Badami – Großer Waschtag

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20. Januar – Tag 38

Der Tag beginnt heute mal wirklich planmäßig für mich… alles ist halt möglich in Indien! Und so stehe ich pünktlich um 8:00 Uhr am Bahnsteig um den Zug nach Badami zu nehmen. Der Intercity Express – kein Witz! Das steht so wirklich auf dem Fahrplan – benötigt für diese Strecke zweieinhalb Stunden. Dass die vorgesehene Abfahrtszeit 8:25 Uhr sein sollte, der Zug sich dann aber erst um 8:55 Uhr in Bewegung setzt, lasse ich jetzt mal unerwähnt… irgendwie war früher alles besser!

Durch Zufall bzw. weil es natürlich nirgendwo geschrieben steht, lande ich in einem Waggon, für den man eine Sitzplatzreservierung benötigt. Der Schaffner macht mich bei der Kontrolle der Fahrscheine darauf aufmerksam und verlangt 15 Rs. Zuschlag zu meiner normalen Fahrkarte. Nun gut… für diese 20 Cents bewege ich mich hier bestimmt keinen Zentimeter mehr vom Fleck und gebe meinen Sitzplatz wieder her. Der Schaffner betont auch noch mal ausdrücklich, dass das gar kein Problem darstellen würde. Mit den Worten „Enjoy the comfort!“ verabschiedet er sich von mir – wobei ein solcher Wunsch in diesem Zug schon fast an schwarzen Humor grenzt. Denn komfortabel sind die durchgesessenen, harten Sitzbänke nun mal in keiner Weise. Aber Ankommen ist ja bekanntlich alles!

Wie wir das dann letztendlich geschafft haben, ist und bleibt mir zwar ein Rätsel – aber trotz unserer Verspätung von einer halben Stunde sind wir auf die Minute pünktlich in Badami. Also heute doch mal ein Lob für die indische Eisenbahn!

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Die Stadt Badami – ehemals Hauptstadt der Chalukyas (543-757 n. Chr.) – ist von flachem Ackerland umgeben und reicht nach Osten in eine Schlucht zwischen zwei roten Sandsteinhügeln, die jeweils von einer alten Festungsanlage gekrönt werden. In der Schlucht wurde vermutlich im 5. Jh. der künstliche See Agastya angelegt. Besondere Sehenswürdigkeiten hier sind mehrere in den Fels geschlagene Tempel aus dem 6. Jh.

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Weitere Details zur Geschichte und den einzelnen Tempeln erspare ich euch heute mal! Denn selbst ich habe auch schon langsam so eine Art „Tempelkoller“… und ich muss mir nicht auch noch den Achthundertsiebenundzwanzigsten Shiva-Tempel anschauen! Sicherlich, im Detail gibt es da immer Unterschiede! Aber irgendwie fühle ich mich langsam „gesättigt“ von den vielen Informationen. Ich brauche wohl eine Tempel-Pause!

Aber was in Badami deutlich auffällt, ist die Tatsache – im Gegensatz zu Bijapur – dass hier wirklich alles tip-top gepflegt ist… der Rasen um die Denkmäler ist kurz geschnitten und saftig grün, die Wege sauber und in einem guten Zustand und die kleinen, begleitenden Hecken sind tadellos zurechtgestutzt! Und das alles, obwohl Badami ja noch wesentlich weiter ab vom allgemeinen Touristen-Trampelpfad liegt als Bijapur.

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Auf der anderen Seite – und da kollidieren mal wieder Wunsch und Wirklichkeit – waschen die Frauen des Ortes fleißig in dem künstlichen See ihre Wäsche… was sie wohl auch schon seit Jahrhunderten getan haben. Damals gab es halt nur noch keine chemischen Waschmittel. Und ob diese Chemie dem ökologischen Gleichgewicht des Sees so richtig gut tut, wage ich zu bezweifeln. Zumindest hatte das Wasser eine Algen-grüne Färbung… was jetzt auch nicht wirklich verwundert. Das romantisch-verklärte Bild der Frauen am Ufer, wie sie die Wäsche schrubben und schlagen, mag als Fotomotiv prima taugen… aber der Umwelt tut man damit sicherlich keinen Gefallen. Aber beim Thema Umweltschutz liegt hier einfach noch jede Menge im Argen!

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Morgen muss ich dann wieder zurück nach Bijapur – denn um 21:00 Uhr fährt von dort mein Nachtbus nach Mumbai ab! Und dann geht es ja auch schon fast wieder heim…

Namaste… wo immer ihr auch gerade seid!

Bijapur – Im touristischen Funkloch

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19. Januar – Tag 37

Meinen Plan heute um 6:00 Uhr aufzustehen, habe ich – als der Wecker klingelt – dann doch noch mal über den Haufen geworfen… mal ganz davon abgesehen, dass es draußen noch dunkel war.

Heute steht als erstes das Gol Gumbaz-Mausoleum auf meiner Liste. Und weil ich gestern Abend gesehen habe, was für Besuchermengen da unterwegs sein können, hatte ich mir vorgenommen dort früh am Morgen zu sein.

Als ich schlussendlich um 8:00 Uhr durch die Pforte das Gelände betrete, sieht es auch noch ganz entspannt aus… und jetzt taucht zudem die aufgehende Sonne die ganze Szenerie in eine wunderschöne Lichtstimmung – ideal zum Fotografieren!

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Das Gol Gumbaz-Mausoleum wurde Ende der Adil-Shahi-Herrschaft im 17. Jh. errichtet und ist ein passendes gigantomanes Denkmal für eine kurz vor dem Niedergang stehende Dynastie. Die kubische Grabstätte – immerhin sieben Stockwerke hoch – wird gekrönt von einer riesigen Kuppel mit 36 Metern Durchmesser – nach dem Petersdom in Rom die zweitgrößte der Welt! Die Deckenhöhe im Inneren beträgt stolze 50 Meter! Beeindruckende Dimensionen, die – und daher rührt der Vergleich von Bijapur mit Agra – mit dem Taj Mahal durchaus mithalten können… wenngleich auch dieses Meisterwerk der Architektur in seiner Ornamentik und Proportion dem doch eher klobigen Gol Gumbaz natürlich ohne Mühe den Rang abläuft. Aber einen Besuch wert ist das Gol Gumbaz allemal!

Mein Rundgang führt mich dann weiter zur Jama Masjid-Moschee – ebenfalls erbaut von Ali Adil Shah – einem schlichten und zurückhaltenden Bau, der als eine der schönsten Moscheen Indiens gilt.

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Ich laufe weiter zum Mithari Mahal, welches – trotz seines bescheidenen Umfangs – durch seine reich verzierten Fenster und Minarette als eines der schönsten Gebäude Bijapurs bezeichnet wird. Es geht ebenfalls zurück auf Ali Adil Shah. Leider befindet sich dieser „Palast“ in einem sehr schlimmen Zustand und die benachbarten Gebäude wurden relativ hemmungslos einfach „angebaut“. Wirklich schade!

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Dass ich hier noch touristisches Niemandsland betrete, macht sich in zweierlei Hinsicht deutlich: Einerseits kann man die westlichen Touristen in der Stadt wirklich noch an zwei Händen abzählen, andererseits sind die meisten Denkmäler, die aus meiner Sicht schon von erheblichem historischen Wert sind, allesamt in einem traurigen Zustand – mal einzig abgesehen vom Gol Gumbaz. Bijapur hat so viel zu bieten, aber so wirklich macht noch niemand etwas draus.

Gerade zum Beispiel auch die Befestigungsanlagen der alten Zitadelle fristen teilweise einen „Dornröschenschlaf“ und sind von meterhohem Grünzeug eingewachsen. An anderer Stelle haben sich dort einfach andere Nutzungen „eingenistet“.

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Nicht, dass ich aus der Stadt ein steriles Freilichtmuseum machen wollte – aber etwas mehr Pflege und ein wenig mehr Wertschätzung dieser Kulturschätze würden Bijapur sehr zugute kommen! Sicherlich spielt Geld dabei auch eine entscheidende Rolle – das ist mir schon bewusst. Das alte Problem halt…

Ich kann mich ja mal bewerben – als Direktor für Denkmalschutz und Tourismus… nur so eine Idee!

Mein Abendessen versuche ich dann im Hotel-eigenen Restaurant einzunehmen… was sich etwas schwierig gestaltet! Nachdem wir die Getränkefrage als erstes klären konnten, bringt mir der Kellner eine Flasche Sprite, gießt mir ein kleines Glas voll ein und zieht mit der noch halb vollen Flasche wieder ab. Aus der Distanz sehe ich, wie er sie in den Kasten mit dem Leergut stellt. Hmm… schon mal merkwürdig! Danach geschieht erstmal gar nichts mehr! Man lässt mich einfach so am Tisch sitzen… und erst auf meine direkte Nachfrage hin bringt man mir die Speisekarte. Vielleicht sollte man noch erwähnen, dass ich zu diesem Zeitpunkt der einzige Gast bin. Aber dafür sind Restaurants doch da… dass man etwas isst! Oder habe ich da was falsch verstanden? Die Speisekarte wird mir gebracht… und innerhalb von Sekunden habe ich direkt drei Kellner am Tisch stehen, die mir zusammen die Speisekarte vorlesen! Nun gut… des Lesens bin ich ja durchaus mächtig – so hin und wieder mal. Auf meine Nachfrage, was denn das eine oder andere der aufgezählten Gerichte genau sei, ernte ich Ratlosigkeit! Man versucht die eine Speise mit der anderen zu erklären: Das ist doch so wie… Aber da ich keines der beiden Gerichte kenne, hilft mir das recht wenig weiter. Am Ende entscheide ich mich für eine Art Blumenkohl-Curry – da weiß ich, was mich erwartet. Dafür steht das Essen dann innerhalb weniger Minuten auf dem Tisch… Kompliment! Das ging schnell!

Aber man hat schon manches Mal das Gefühl, dass hier einige ständig ihren ersten Tag haben… sei es nun Unsicherheit einem westlichen Gast bzw. Kunden gegenüber oder wirklich die mangelnde Vorstellung davon, was denn jemand von einer bestimmten Dienstleistung erwartet. Aber irgendwie ist das ja auch niedlich – und ich sehe das alles mit Gelassenheit und viel Humor!

Morgen geht es dann noch mal Richtung Süden – ich habe meine Pläne geändert! Bijapur bietet jetzt doch nicht genug Sehenswertes für weitere zwei Tage… und so werde ich mich in der Frühe in den Zug setzen und nach Badami fahren – angeblich zwei Stunden von hier entfernt. Ich werde berichten, was es dort zu entdecken gibt.

Namaste! … wo immer ihr auch gerade seid!

Bijapur – Ein Palast auf Rädern

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18. Januar – Tag 36

Wie ich bereits geschrieben habe, hat der Tag schon früh für mich begonnen – hier geht es ja allgemein recht früh los mit dem Leben… dafür werden dann aber auch um Zehn Uhr abends die Bürgersteige hochgeklappt – wenn es welche gäbe!

Nachdem ich nun herausgefunden habe, dass die Fahrt nach Bijapur mit dem Zug ein ziemlicher „Krampf“ ist, werde ich versuchen, zuerst mit dem lokalen Bus nach Hospet zu gelangen, um von dort mit einem Regionalbus direkt nach Bijapur zu fahren. Fünf Stunden Fahrt warten auf mich – die Fahrt nach Hospet mal nicht eingerechnet. Aber das sind voraussichtlich nur zwanzig Minuten. Wie lange ich dort allerdings auf einen Anschluss warten muss, wissen mal wieder nur die Götter… aber bisher hat es ja auch immer funktioniert – irgendwie. Also: Alles wird gut!

Nach einem ausgiebigen Frühstück mache ich mich also zu Fuss auf den Weg zur lokalen Bushaltestelle in Hampi direkt in der Ortsmitte, wo der Bus nach Hospet bereits startklar bereitsteht. Als ich einsteige, traue ich kaum meinen Augen: Dieses Gefährt – zweifellos ein ausrangierter Langstreckenbus – ist von innen komplett mit goldenen Friesen und Verzierungen versehen worden… die Abgrenzung vorne zwischen Fahrerkabine und Fahrgastraum markieren zwei skulpturale, goldene Säulen mit mächtigen Kapitellen … selbst die Stangen zum Festhalten im Eingangsbereich haben eine – zwar etwas dezentere – Säulenoptik! Ein Palast auf Rädern – Kitsch as Kitsch can! Das ist mal ein Bus!

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Das Gefährt aus Tausend und einer Nacht setzt sich auch bald in Bewegung und nach einer knappen halben Stunde Fahrt erreichen wir den Busbahnhof von Hospet.

Nach dreimaligen Fragen habe ich dann auch direkt den Bus nach Bijapur ausgemacht, der schon mit laufendem Motor bereit zur Abfahrt an seiner Haltestelle steht. Nachdem der Schaffner meine Frage nach dem Ziel mit dem für Inder charakteristischen Kopf-Wackeln beantwortet (das bedeutet so viel wie Ja) und mich mit einer Geste zum schnellen Einsteigen auffordert, wuchte ich mein Gepäck die steilen Stufen empor und suche mir einen Platz in der hintersten Reihe… denn da gibt es ausreichend Platz. Wobei der Bus generell nur halb besetzt ist… alles entspannt hier. Obwohl dieses Gefährt auch kaum den Charme des Plastik-Palast-Busses besitzt – dies hier ist einfach nur ein Bus… wie langweilig! Auch kein wie wahnsinnig hupender Fahrer, keine dröhnende Musikanlage… sogar die Bustür wird während der Fahrt geschlossen!

Um 11:20 Uhr setzt sich der stinknormale Bus dann in Bewegung in Richtung Bijapur. Die Fahrt kostet übrigens 238 Rs. – das ist jetzt mal wirklich ganz schön teuer für so einen schnöden Überlandbus! Das sind immerhin 3,50 Euro! Aber mein Ticket kommt aus so einem mobilen Fahrkartendrucker, den der Schaffner – wie auch in den Zügen der DB – hier um den Hals hängen hat… und ich bin mir sicher, dass jeder andere für diese Tour den gleichen Preis bezahlt hätte.

Nur mal am Rande erwähnt… ist euch schon mal aufgefallen, dass egal wo immer ich auch hinfahre alle Busse immer um Zwanzig nach abfahren. Das ist doch irgendwie seltsam! Aber wenn ihr in Zukunft also mal in Indien mit dem Bus irgendwo hin fahren wollt, seid einfach um Viertel nach an der Haltestelle… denn dann kommt garantiert in fünf Minuten der Bus!

Die Strecke nach Bijapur ist fast Autobahn-artig ausgebaut – für indische Verhältnisse. Sie verläuft weitgehend geradlinig, es gibt zwei Fahrbahnen je Fahrtrichtung und diese sind durch einem richtigen Mittelstreifen voneinander getrennt. Überholen tut man trotzdem aber mal rechts, mal links – so, wie es gerade passt – hier funktioniert das eben so und ist Teil des Systems… und eigentlich funktioniert das ziemlich gut so!

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Mein Sitznachbar ist auch wirklich rührend. Erst hat er mir fast verschämt von seinen Erdnüssen angeboten und dann ein Tuch auf meinen Platz gelegt, als ich an einem Zwischenhalt mal kurz vor der Tür war um mir die Beine zu vertreten… damit auch jeder andere sofort sieht: Dieser Platz ist schon belegt! … obwohl mein dicker Rucksack ja schon eigentlich „Zeichen“ genug gewesen ist. Aber es war einfach eine liebe Geste von ihm – und so sind die Inder einfach auch… eben herzensgute Menschen!

Der Schaffner sagt mir auf meine Nachfrage hin, dass wir gegen Vier Uhr in Bijapur ankommen werden. Ich bin schon wirklich sehr gespannt auf diese Stadt, denn sie liegt relativ abseits der allgemeinen Touristenströme. Aber auch gerade das macht sie für mich interessant.

Trotzdem gibt es hier vieles zu sehen. Denn Bijapur besitzt einige der schönsten islamischen Bauten des Dekkan und wird oft als „Agra des Südens“ bezeichnet. Über 300 Jahre war die Stadt der Sitz einer Reihe mächtiger Herrscher, deren Mausoleen, Moscheen, prächtige Verwaltungsgebäude und Festungen von einer Zeit unerhörten Wohlstands und künstlerischen Hochleistungen zeugen.

Um Halb Drei machen wir Mittagspause für eine Viertelstunde – in Almatti Petrol Pump! Man kann sich das „Ortsbild“ entsprechend vorstellen – die Hauptattraktion wird schon direkt im Ortsnamen genannt! Petrol Pump ist übrigens ein Stadtteil von Araladinni – wo auch sonst sollte es so einen Stadtteil geben? Die Tankstelle gehört allerdings zu Indian Oil – und nicht zu Aral!

Fast mit dem Glockenschlag Punkt Vier erreichen wir den Busbahnhof von Bijapur. Ich hatte mir die Stadt größer vorgestellt – aber es ist „nur“ eine indische Kleinstadt. In den Straßen herrscht die übliche Geschäftigkeit, der übliche Trubel, der übliche Verkehr… und kein westlicher Tourist weit und breit (Anmerk.: Einen habe ich dann doch später noch gesehen). Das sind mir die liebsten Orte – und in der Regel sind das auch die authentischsten. Hier bin ich nur Beobachter – hier dreht sich nichts um mich. Kein aufgesetztes Touristen-Tam-Tam! Einfach nur das ganz normale Leben!

Meine Unterkunft erreiche ich mit einer Motor-Rikscha schnell und unkompliziert… und groß ist die Auswahl hier ohnehin nicht. 700 Rs. für ein durchschnittliches Hotel – aber ich habe schon deutlich schlechter genächtigt.

Da es noch hell ist, mache ich mich zu Fuß auf den Weg in die Innenstadt – ein Weg von einer guten halben Stunde – und lande in der Markthalle von Bijapur. Ich liebe Markthallen – vor allem hier in Indien… die Atmosphäre, die vielen bunten Farben, der Duft von frischen Kräutern, das geschäftige Treiben – ein Ameisenhaufen von Menschen. So streife ich ziellos durch die engen Gänge und sauge all das begierig auf!

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Der Reiseführer empfiehlt zudem ein Restaurant auf dem Dach der Markthalle, welches ich nach einigem Suchen dann auch finde. Dieses „Dachrestaurant“ hat zwar den Charme eines Parkdecks mit Plastikstühlen und Tischen… aber irgendwie passt das hier genau hin – das ist Indien nach meinem Geschmack. Alles nicht perfekt – aber genau richtig so! … und obendrein ist das Essen auch gar nicht mal so schlecht!

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Auffällig ist die reine „Männergesellschaft“ in diesem Restaurant – keine Frau weit und breit… wobei schon viel zu tun ist! Aber den Grund hierfür kann ich mir auch nicht erklären, hat aber wahrscheinlich wieder mit dem allgemeinen Rollenbild der Frau in Indien zu tun.

Generell ist die Quote an Frauen, die ein Kopftuch oder sogar eine Burka tragen, seit meiner Abfahrt in Hampi deutlich wahrnehmbar gestiegen. Und auch die Bewohner Bijapurs sind zur Hälfte Muslime – was bei diesem geschichtlichen Hintergrund ja auch nicht wirklich verwundert (Nur am Rande bemerkt: Benaulim – mein Stopp in Goa – ist übrigens ein katholisches Fischerdorf – das haben wohl die Portugiesen „angerichtet“).

Morgen geht es dann auf Besichtigungstour hier in der Stadt. Ich werde berichten!

Namaste! … wo immer ihr auch gerade seid!

Hampi – Auf Klassenfahrt ins Land der Tempel

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17. Januar – Tag 35

Heute mal nur ein ganz kurzer Text für euch… denn ich bin etwas unter Zeitdruck. Um 9:00 Uhr muss ich auschecken aus dem Guesthouse. Dafür gibt es aber einige Bilder zum Anschauen – ist ja auch was!

Gestern stand der zweite Teil meiner Tempel- und Palasttour hier in Hampi an. Um das etwas komfortabler zu gestalten, habe ich mir für den ganzen Tag eine Motor-Rikscha samt Fahrer gemietet, der mich dann durch die Gegend gefahren hat… man gönnt sich ja sonst nichts! Und so waren wir acht Stunden „auf Achse“…

Auch der zweite Teil dieser Entdeckungstour war ein wirklich schönes Erlebnis für mich – und auch dieses Mal waren es wieder die Orte im Nirgendwo, die es mir besonders angetan haben… vielleicht können die Bilder etwas von der Atmosphäre vermitteln.

Wenn ihr euch jetzt fragt, was das alles mit einer Klassenfahrt zu tun hat… irgendwie war gestern der lokale Klassenfahrt-Tag… und überall – zumindest an den direkt von der Straße aus zugänglichen Orten – wimmelte es von Grundschulklassen! Versucht da mal ordentliche Fotos zu machen ohne Horden von Kindern im Vordergrund drauf… eine echte Geduldsprobe! Mal ganz davon abgesehen, dass einem jeder die Hand schütteln will und die üblichen Fragen stellt… What’s your name? What’s your country? Für die Kinder schienen die Touristen die wirkliche Attraktion zu sein… und nicht die alten Gemäuer!

Heute geht es weiter nach Bijapur – weiter Richtung Norden, weiter Richtung Mumbai, meinem letzten Ziel auf dieser Reise…

Namaste! … wo immer ihr auch gerade seid!

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P.S.: Auch obwohl das kein echtes „Selfie“ ist… aber diesen Augenblick haben italienische Freunde hier für mich festgehalten… die „Dame“ war auf jeden Fall sehr zutraulich… und ich habe den Verdacht, sie wollte – so wie viele andere Inder hier auch – ein gemeinsames Foto mit mir. Also bitteschön – hier ist es! Ob die Kuh eine eigene Facebook-Seite hat, hat sie mir aber nicht gesagt…

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