Tagesarchiv: 9. Januar 2015

Madurai – Im Palast bröckelt der Putz…

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9. Januar – Tag 27

Heute gibt es nicht viel Aufregendes zu berichten… ich habe mir den Thirumalai-Nayak-Palast angeschaut. Das Gemäuer stammt aus dem 17. Jh. – steht jedoch nur ungefähr noch zur Hälfte und der bescheidene „Rest“ ist jetzt auch nur mäßig spannend. Deshalb erspare ich euch weitere Ausschweifungen zu diesem Thema.

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Der Anschlag in Paris ist hier übrigens auch in allen Tageszeitungen die erste Schlagzeile auf den Titelseiten. Zugegeben, dieses Ereignis hat eine besondere und globale Relevanz, aber Indien hat sicherlich eher einen Blick auf die Welt, als wir Europäer zum Beispiel den Blick auf Indien haben… denn wer von euch weiß wahrscheinlich schon, dass hier gerade die Bergarbeiter streiken?

Heute Abend um 23:05 Uhr geht es weiter mit dem Nachtzug nach Varkala. Das sind gut neun Stunden Fahrt. Ich werde mich zumindest soweit ausrüsten, dass ich was Warmes zum Anziehen griffbereit habe… nur für den Fall.

Varkala wird jedoch nur ein kurzer Ein-Tages-Stopp. Am Abend geht es noch weiter nach Kollam – aber das liegt gleich „um die Ecke“ nur eine halbe Stunde mit dem Zug entfernt. Aber alles weitere dann morgen…

Ach, bevor ich es vergesse… ich freue mich natürlich auch weiterhin über eure Kommentare im Blog bzw. eure Mails! Es ist immer schön, mal wieder was aus der Heimat zu hören!

Namaste! … wo immer ihr auch gerade seid!

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P.S.: Das auf dem Foto oben sind übrigens echte, lebendige Küken… wie man die so bunt bekommt ist mir allerdings ein Rätsel… und vor allem auch warum man das tut. Gesund ist das bestimmt nicht… und über Tierschutz reden wir auch lieber ein anderes Mal!

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Madurai – Da steht ’ne Kuh auf dem Flur…

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8. Januar – Tag 26

Meine gestrige „Internet-Aktion“ war noch recht abenteuerlich… wie ich ja schon geschrieben habe, hatte das Hotel kein eigenes W-Lan. Nach endlosem Nachfragen in den umliegenden Hotels, die entweder partout ihr Netz nur für Hotelgäste zur Verfügung stellen wollten oder aber Fantasiepreise dafür verlangt haben, bin ich also schlussendlich mit dem iPod in der Hand durch die Straßen gelaufen auf der Suche nach einem nicht gesicherten W-Lan. Und irgendwann – ich war schon ganz kurz davor aufzugeben – hatte ich dann eine Verbindung! Auch obwohl die Umgebung nicht richtig zum Verweilen einlud, habe ich dann – auf einer Mauer am Straßenrand sitzend – meine Blog-Postings hochladen und kurz meine Mails abrufen können. Everything is possible in India – halt!

Zur Belohnung gab es dann noch ein kühles Bier hinterher… welches man hier allerdings nicht so einfach bekommt. In Restaurants wird hier in den allermeisten Fällen kein Alkohol ausgeschenkt. Um trotzdem ein Bier oder sonstige Spirituosen zu erwerben, muss man schon einen Liquor-Store finden. Und von denen gibt es nicht viele! Aber der Andrang dort ist deshalb gerade abends enorm!

Ich habe keine Ahnung, ob der Hinduismus das Trinken von Alkohol verbietet. Die auch in Indien verbreitete Religionsform des Jainismus tut das zum Beispiel. Aber bei der Nachfrage in dem Liquor-Store hier um die Ecke kann man den Eindruck gewinnen, dass es nicht alle so ernst nehmen mit dem Alkoholverzicht.

Leider gibt es auch etwas Unangenehmes zu berichten… denn der Gott des Schuhwerks hatte wohl gestern Ruhetag – und ich habe mir am linken Fuß eine ordentliche Blase gelaufen in meinen neuen Tretern. Aua! Mal sehen, wie sich die Lage weiter entwickelt…

Aber nun zum Tagesgeschehen: Um Zehn vor Sieben treffe ich mich mit Fernando auf dem Hotelflur und wir laufen gemeinsam zum Bahnhof – keine 10 Minuten und somit eine leicht zu Fuß zu bewältigende Distanz… und Fahrkarten hatten wir ja schon gestern besorgt. Da der Zug erst ab Tiruchirapalli verkehrt, steht er auch schon abfahrbereit am Bahnsteig. Von einem der zahlreichen fliegenden Händler kaufe ich noch einen Kaffee durch das natürlich offene Zugfenster…

Und dann um 7:16 – mit nur einer Minute Verspätung – setzt sich die schier endlos erscheinende Karawane aus unzähligen Waggons in Bewegung in Richtung Madurai. Die Fahrt nutzen wir für unsere weitere Reiseplanung – obwohl absehbar ist, dass sich Fernandos und meine Wege an unserem Zielbahnhof wieder trennen werden.

Wir haben mittlerweile herausgefunden, dass die Züge von Madurai nach Kochi erst einmal komplett nach Süden bis an den äußersten Zipfel des Subkontinents fahren – um sich dann wieder die Küste entlang nach Norden hochzuarbeiten. Fernando will daher noch den am südlichsten gelegenen Ort Indiens „mitnehmen“ – Kanyakumari. Das ist für mich keine echte Option – zumal mein Zeitbudget ja auch deutlich geringer ist als das seine. Aber ich werde nicht direkt bis nach Kochi durchfahren – wie ursprünglich geplant – sondern unterwegs in Varkala einen Zwischenstopp einlegen… wegen des fantastischen Strandes vor der roten Klippenkulisse… und auch meine Bootstour über die Backwaters nicht von Kochi aus starten sondern bereits südlicher von Kollam aus.

Nach drei Stunden Zugfahrt erreichen wir dann unser Ziel – die Stadt Madurai. Am Bahnhof kaufe ich noch eine Fahrkarte nach Varkala und lasse mich dann per Motor-Rikscha zum Guesthouse fahren. Dieses Mal habe ich direkt beim ersten Versuch Glück… und 650 Rs. sind ein akzeptabler Preis für diese Unterkunft.

Das Besondere an dem Hotel ist auch, dass es nur eine Querstraße entfernt vom Sri Meenakshi Sundareshwarar-Tempel liegt und eine Dachterrasse mit einem grandiosen Blick über die gesamte Anlage bietet. Denn erst von hier oben erschließen sich wirklich deren Ausmaße.

Der Sri Meenakshi Sundareshwarar-Tempel zählt zu den größten Tempelkomplexen Indiens. Ein Großteil der Anlage entstand zwischen dem 16. und 18. Jh. – jedoch sind einige Teile deutlich älter. Insgesamt schmücken den Tempel schätzungsweise 33.000 Götter- und Dämonendarstellungen aus Stein und Stuck. In Madurai gelangte der Gopura, eine Art Turm und wichtiger Bestandteil der südindischen Tempel, zur Vollendung. Der gesamte Komplex weist zwölf dieser Türme auf – die größten sind bis zu 46 Metern hoch.

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Nachmittags mache ich mich dann auf den Weg die Anlage zu erkunden. Aber ich muss feststellen, dass dort bis 16:00 Uhr quasi „Mittagspause“ herrscht! Die Götter müssen ja auch mal runterkommen bei all dem Trubel hier – denn der Sri Meenakshi Sundareshwarar-Tempel ist einer der meistbesuchten in ganz Südindien – man zählt hier bis zu 15.000 Besucher täglich!

Aber als dann wieder pünktlich geöffnet wird, traue ich fast meinen Augen nicht – an den Eingängen haben sich innerhalb kürzester Zeit riesige Besucher-Schlangen gebildet. Das kann ja heiter werden, denke ich noch und laufe noch einmal um den Komplex herum. Auf der Ostseite befindet sich noch ein kleinerer Nebeneingang und hier ist die Warteschlange noch ganz harmlos. Also rein ins Vergnügen!

Zuallererst muss man aber – wie in allen hinduistischen Tempeln üblich – die Schuhe ausziehen. Und hier darf man sogar noch nicht einmal Rucksäcke oder Fotoapparate mit hinein nehmen. Deshalb gibt es aber eine Art „Gepäckaufbewahrung“, wo man sein Hab und Gut abgeben kann.

Hier schlägt dann auch direkt der indische Sicherheitswahn wieder zu – denn alle Taschen müssen – bevor man sie abgeben kann – mit einem Röntgengerät durchleuchtet werden. Auf der Maschine findet sich auch der ausdrückliche Hinweis doch bitte keine Körperteile ins Gerät zu halten… was aber ohnehin im Moment völlig gefahrlos wäre – denn die Maschine verweigert ihren Dienst! Obwohl die Dame am Apparat wild auf alle Knöpfe drückt und hektisch mit jemandem telefoniert, tut sich erstmal nichts! In gewohnt indischer Manier drängeln sich aber alle Umstehenden erst einmal vor, um zu sehen, warum es denn nicht weitergeht – wäre ja auch zu einfach, wenn man einfach mal abwartet – denn helfen kann der jungen Dame bei ihrem Problem von diesen Herrschaften ohnehin niemand. Aber so sind sie eben, die vorwitzigen Inder!

Nach etlichen Minuten des Wartens taucht dann ein Herr auf, der es schafft, das Gerät wiederzubeleben. Vor mir ist noch ein russisches Paar an der Reihe und der männliche Part darf dann direkt zweimal seinen Rucksack durch das Gerät schieben – und wird dann ruppig dazu verdonnert, seine Kamera auszupacken und vorzuzeigen. Meinen Rucksack – in dem ebenso eine Spiegelreflexkamera steckt – winkt man jedoch anstandslos durch. Alles in Ordnung… bitte weitergehen! Das soll mal jemand verstehen… indische Logik halt!

Dann im Tempel… die Anlage ist riesig und teilweise nur für Hindus zugänglich. Nach welchem Prinzip diese Abgrenzung stattfindet, hat sich mir bisher jedoch nicht erschlossen – denn das wird irgendwie in jedem Tempel anders gehandhabt. Mal darf man überall hin und mal eben nicht – so wie im aktuellen Fall. Wie ich schon erwähnte, muss man auch Film- und Fotokameras am Eingang abgeben… mit dem Mobiltelefon darf man jedoch weitgehend ungeniert alles fotografieren, was einem vor die Linse kommt – wovon auch insbesondere die Inder regen Gebrauch machen. Hier ein Selfi mit dem Gott Sowieso und dann noch das notorische Gruppenbild mit Oma mit einer anderen Gottheit. Somit vergesse ich irgendwann auch meine anfängliche Zurückhaltung beim Fotografieren – was die alle können, kann ich schon lange!

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Ich wandele also durch die schier endlosen Gänge und Hallen… von einer Gottheit zur nächsten. Dieser Tempel dient nämlich gleich der Verehrung mehrerer Götter. Ganz praktisch eigentlich – dann muss man nicht kreuz und quer durch die Gegend fahren und kann direkt mehrere Heilige „in einem Rutsch“ beehren.

Immer wieder werde ich auch von Tempelführern angesprochen, die mir ihre Dienste anbieten. Aber ich lehne dankend ab. Mir ist zwar bewusst, dass ich so nicht bis zu den tiefsten Geheimnissen des Tempels vordringen werde, aber da die Götterwelt hier so komplex und umfangreich ist, hätte ich wahrscheinlich ohnehin schnell den Überblick verloren. Und grundsätzlich geht es mir auch weniger um jedes einzelne Detail als vielmehr darum, die Atmosphäre zu erleben. Den „Rest“ lese ich dann mal bei Wikipedia nach!

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Was mich aber wirklich amüsiert hat im Tempel ist die Tatsache, dass es hier einen Kuhstall gibt! Kein Scherz – einen richtigen Kuhstall! Das hängt natürlich damit zusammen, dass die Kuh als heiliges Tier verehrt wird – nicht ohne Grund hat mein Blog natürlich auch diesen Namen. Die Gläubigen kaufen an einem Stand Grünzeug und gehen damit in den Stall um dann die Kühe zu füttern. Holy Cow… Heilige Kuh!

In diesem Sinne: Namaste! … wo immer ihr auch gerade seid!