Hampi – Schrecklich schön!

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16. Januar – Tag 34

Meine Fahrt ist nun wirklich alles andere als komfortabel! Erschwerend kommt dann noch mitten in der Nacht der Faktor Kälte hinzu, mit dem ich – mal wieder – nicht gerechnet habe. Aus meinem spärlichen Handgepäck suche ich mir noch zwei Tücher zusammen, mit denen ich mich notdürftig zudecke… die Düsen der Klimaanlage habe ich ohnehin schon mit Papiertaschentüchern provisorisch „abgedichtet“ – denn gänzlich ausschalten lässt sich die Apparatur natürlich wieder nicht!

Irgendwann später bemerke ich, dass der Bus steht – wahrscheinlich macht der Fahrer eine Pause. Durch den engen Gang, der sich mittlerweile angefüllt hat mit einem wilden Sammelsurium an Schuhen und weiteren Rucksäcken, kämpfe ich mich in der Dunkelheit nach vorne durch zur Fahrerkabine – denn als ich zugestiegen bin, habe ich aus dem Augenwinkel ein Schild mit der Aufschrift „Blankets 70/- Rs.“ gesehen. Und zu frieren obwohl man hier auch Decken für den umgerechneten Preis von 1 Euro kaufen kann, erachte ich jetzt wirklich als absolut nicht notwendig!

Die Crew meines Busses – immerhin drei Leute – steht draußen vor der Tür… und ich versuche zu erklären, dass ich gerne eine Decke erstehen würde! Aber: Keine Reaktion! Mit überschwänglicher Freundlichkeit scheint hier gerade keiner gesegnet zu sein – „Servicewüste“ Indien mal wieder! Fast schon Mantra-artig wiederhole ich das fragende „Blanket?“ und werde schließlich erhört. Der Schaffner beginnt – für mich zwar unverständlich, aber so war es halt – alle Kojen zu durchforsten – von vorne nach hinten – um dann schlussendlich in der letzten eine Decke zu Tage zu fördern. Ich drücke ihm dankbar die 70 Rs. in die Hand – ich bin gerettet!

Als ich mich dann wieder in meine Schafstätte zurückgezogen habe, endet auch plötzlich das leise Zischen aus der Düse der Klimaanlage! Aber vielleicht ist das auch die „Geschäftsidee“ hinter der ganzen Geschichte – die Leute erst mal so lange runterzukühlen, bis sie verzweifelt eine Decke kaufen… everything is possible in India!

Es muss wohl so 3:30 Uhr gewesen sein, als ich dann endlich – eingekuschelt in meine neu erstandene Decke – wieder einschlafe…

Als ich wieder wach werde, ist es so gegen 7:00 Uhr und schon hell… wir stehen! Durch die Scheiben des Busses kann ich draußen geschäftiges Treiben erkennen. Der Schaffner klettert durch den Bus und ruft laut: „Hospet, Hospet…“ – das liegt zwanzig Minuten vor Hampi, meiner Endstation.

Ich räume also gemächlich wieder mein Nachtlager zusammen – überstürzte Aufbrüche in solchen Situationen haben ja in der Vergangenheit bei mir schon ganz andere „Geschichten“ nach sich gezogen – und lasse mich die letzten Minuten zu meinem Ziel schaukeln.

In Hampi angekommen, erwartet uns eine unglaubliche Szene: Dutzende von Motor-Rikscha-Fahrern, die den Bus direkt bestürmen um ihre Dienste anzubieten. Ich kämpfe mich erstmal durch die Meute nach draußen durch und zerre meinen Rucksack aus dem Gepäckfach unterhalb des Busses… und gehe erst mal einen Chai trinken! Das ist mir zuviel Trubel am frühen Morgen.

Wenig später werde ich dann mit einem Fahrer handelseinig – denn die Jungs lassen natürlich nicht locker! Der Fahrer bringt mich zu dem von mir im Reiseführer ausgesuchten Guesthouse und die haben auch tatsächlich noch ein Zimmer für mich frei – für 700 Rs.! Alles gut also!

Die Checkout-Zeit hier im Hotel ist 9:00 Uhr – öfter mal was Neues! Und da es erst gerade kurz nach Acht ist setze ich mich noch auf die Dachterrasse und genieße die Wärme der langsam aufziehenden Sonne…

Das Zimmer ist dann so „naja“ – nicht schlecht, aber auch nicht brillant. Der Deckenventilator macht ein Geräusch wie ein alter Traktor… aber für eine Nacht wird es gehen. Ich hatte beim Frühstück einen Belgier kennengelernt, der mir noch ein anderes Hotel empfohlen hat – und dorthin werde ich morgen umziehen.

Nachdem ich mein Gepäck im Zimmer verstaut habe, mache ich mich auch direkt auf den Weg – denn in Hampi gibt es jede Menge zu sehen…

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Mal kurz zu den Fakten: Die Tempelruinenstadt Vijayanagar, die „Stadt des Sieges“ – nach dem Hauptort meistens jedoch Hampi genannt – war ab dem 14. Jh. die Hauptstadt eines großen Hindu-Reiches. In der zweiten Hälfte des 16. Jh. wurde sie jedoch nach einer sechs Monte dauernden Belagerung durch moslemische Truppen zerstört. Heute finden sich auf dem etwa 26 Quadratkilometer großen Areal immer noch zahlreiche zerfallene Häuser und verlassene Tempel aus jener Zeit – sowie ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem – und machen diesen Ort hierdurch sicherlich zu einer der beeindruckendsten Sehenswürdigkeiten Indiens.

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Die Ruinen lassen sich in zwei Gruppen aufteilen: Eine befindet sich in und um Hampi herum sowie am nahe gelegenen Flussufer und umfasst die am höchsten verehrte Gruppe von Tempeln – die andere konzentriert sich um den „königlichen Bezirk“ etwa 3 Kilometer südlich der heutigen Stadt, in der sich Überreste von Palästen, Pavillons, Elefantenställen, Wächterhäusern und Tempeln befinden.

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Mein Programm für heute sieht zunächst erst einmal diese erste Gruppe vor, die man bequem zu Fuß erlaufen kann.

Anstelle euch jetzt weiter mit der ganzen Theorie zu langweilen, möchte ich euch lieber anhand einiger Fotos einen Eindruck über diese wirklich sehenswerte Ruinenstadt in dieser auch sehr beeindruckenden Landschaft vermitteln…

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Noch am Schluss angemerkt: Hampi ist schrecklich schön! Denn der Tourismus hat hier wirklich ganz deutlich seine Spuren hinterlassen! Auf all meinen Touren durch Indien habe ich wohl kaum einen Ort erlebt, an dem einem mit einer solchen Penetranz versucht wird, irgendetwas zu verkaufen oder für sonstige, zweifelhafte Angebote das Geld aus der Tasche zu ziehen – mit teilweise wirklich haarsträubenden Geschichten, die einem hierfür aufgetischt werden. Wenn ich heute für jedes Mal, dass ich „No, thank you!“ gesagt habe, Geld bekommen hätte, wäre ich jetzt ein reicher Mann… man stumpft schon irgendwann dermaßen ab, dass man einfach gar nicht mehr reagiert… so ging es mir zumindest.

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Wenn man aber raus ist aus dem Trubel der Stadt, in der Landschaft… von einem Tempel zum nächsten läuft… immer wieder neue Perspektiven hat auf die Ruinen… dann ist es einfach nur faszinierend, umwerfend, ergreifend hier! Und nur noch schön!

Namaste! … wo immer ihr auch gerade seid!

Eine Antwort zu “Hampi – Schrecklich schön!

  1. I remember this! Did you find the big carved chariot? Lunch/dinner in Hampi bazzar?? (I think that was what it was called, in front of the temple at the top of your page). Meanwhile I have just finished riding and have coursework to mark now… wishing I was there..