Archiv der Kategorie: Mumbai

Mumbai – Good-Bye Indien

23. Januar – Tag 41

Mein Start in den Morgen ist hart: Erst schellt der Wecker um 3:00 Uhr und dann kommt kein warmes Wasser aus der Dusche! Nun ja, die Geschichte mit dem warmen Wasser ist halt irgendwie immer Glückssache – und kein Standard in hiesigen Hotels!

Ich räume meine letzten Sachen wieder in den Rucksack ein… es ist Zeit zu gehen… kurz vor Vier. Mein Taxi wartet unten bereits vor der Tür des Hotels… eine Dreiviertelstunde Fahrt bis zum Flughafen.

Sechs Wochen sind vorbei – und wie im Fluge vergangen… kaum zu glauben! Auch obwohl ich mich schon irgendwie wieder auf Zuhause freue… zwei, drei Wochen hätte ich bestimmt noch so weitermachen können. Und zu sehen hätte es noch jede Menge gegeben – da bin ich noch lange nicht „fertig“ mit Indien – einem Land der Superlative in jeglicher Hinsicht, einem Land der harten Kontraste, einem Land mit wundervollen Menschen und einer unglaublich reichen und vielfältigen Geschichte.

Indien zu erleben – das bedeutet mehr, als sich einfach nur ein paar Tempel anzuschauen. Ich habe genau die Momente am meisten genossen, in denen ich Kontakt zu den Menschen hier hatte – auch obwohl es da schon mal nervige Situationen gegeben hat.

Indien zu verstehen bedeutet noch mehr… das bedeutet, sich auf eine andere Denkweise einzulassen, gewohnte Werte und Bilder in Frage zu stellen – und die Offenheit zu haben auch diesen anderen Weg gehen zu können. Denn – wie ihr in meinen Beschreibungen sicherlich bemerkt habt – in vielerlei Hinsicht ticken die Uhren hier anders!

Am Flughafen in Mumbai herrscht dann schon – für diese frühe Uhrzeit – mächtiger Trubel. Aber das Einchecken funktioniert problemlos und wenig später sitze ich am Gate und warte auf das Boarding.

Der vorgesehene Abflug verschiebt sich dann irgendwann still und heimlich von 7:00 Uhr auf 7:15 Uhr. Air India hält es nicht so genau mit der Pünktlichkeit – ist meine Feststellung zumindest. Aber ich habe dieses Mal ja ausreichend Zeit um in Delhi umzusteigen – kein Grund zur Panik also.

Als der Herr dann beim Boarding meine Bordkarte unter den Scanner hält, wird das Licht nicht – so wie bei den Passagieren vor mir in der Reihe – grün, sondern springt auf rot! Na prima, denke ich noch… was stimmt den jetzt nicht? Der Mitarbeiter von Air India macht zwei, drei Eingaben auf der Tastatur und sagt zu mir: „You have been upgraded!“ Das hört man gerne! Ich darf also nach Delhi ganz offiziell Businessklasse fliegen – da hat es der Gott der Luftfahrt also noch mal gut mit mir gemeint zum Ende meiner Reise!

Mit dem Bus werden wir zum Flugzeug gebracht… aber irgendwie habe ich das Gefühl, der Fahrer will uns mit seinem Gefährt persönlich nach Delhi bringen… wir fahren und fahren – bis schon überhaupt kein Flugzeug mehr in Sicht ist. Fast eine Viertelstunde „schleichen“ wir bei 30 km/h über das Vorfeld… und fahren vom Inlandsflughafen zum internationalen Teil. Schließlich hält der Bus dann vor einem Airbus A321 – alles aussteigen bitte!

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In Reihe 3 darf ich es mir bequem machen – und zur Abwechslung mal die neidischen Blicke der Herrschaften genießen, die an mir nach hinten in die Economy-Klasse vorbeiziehen. Vor dem Start gibt es dann erst einmal feuchte Tücher und einen Fruchtsaft zur Erfrischung… so macht das Fliegen gleich noch mehr Spaß!

Um 8:00 Uhr wird das Flugzeug dann von seiner Parkposition zurückgeschoben und gut zehn Minuten später erheben wir uns in die Lüfte… in Richtung Delhi. Der Flug dauert 1 Stunde und 35 Minuten und wir landen wie angekündigt um 9:45 Uhr in der Hauptstadt Indiens. Dort werde ich auch schon mal etwas auf deutsche Wetterverhältnisse vorbereitet und langsam abgekühlt – draußen herrschen für hiesige Verhältnisse eisige 12 Grad!

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Um 11:00 Uhr habe ich dann den gesamten Parcours aus Sicherheitskontrollen und Ausreiseformalitäten durchlaufen und halte meine neue Boardingkarte für den Flug nach Frankfurt in Händen… und jetzt heißt es mal wieder: Abwarten! Der Abflug ist für 13:35 Uhr angesetzt und bisher gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich der Start noch verschieben könnte… aber ich will den Tag nicht vor dem Abend loben!

Und es kommt, wie es kommen muss – erst steht als Abflugzeit 14:00 Uhr auf der Anzeigetafel… und letztendlich heben wir erst um Halb Drei ab. Aber trotzdem sollen wir – zumindest laut Bordcomputer – schon um 17:30 Uhr in Frankfurt landen! Mir soll es recht sein… aber ich bin trotzdem skeptisch, ob wir das schaffen werden.

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6650 Kilometer liegen schlussendlich hinter mir als wir um 18:41 Uhr in Frankfurt aufsetzen – nach achteinhalb Stunden Flug. Wieder zurück in Deutschland… und wieder zurück in der Kälte! Brrrrr! Aber dass es so kalt ist hier hätte ich nicht gedacht…

Abschließend hoffe ich, dass ihr ein wenig Spaß hattet mich zu begleiten auf meinem kleinen Abenteuer… und vielleicht auch das eine oder andere über dieses faszinierende Land erfahren habt, das ihr noch nicht wusstet. Für mich war es eine fantastische Reise – mal wieder! Indien ist mir „ans Herz gewachsen“… und ich bin sicherlich nicht zum letzten Mal dort gewesen – wenn mich auch das Fernweh auf meiner nächsten größeren Reise wahrscheinlich erst einmal in eine andere Ecke der Welt ziehen wird. Aber Pläne gibt es viele… ich werde sehen, wo das denn genau sein wird. Und werde davon berichten – wenn es wieder soweit ist!

In diesem Sinne zum vorerst letzten Mal: Namaste! … wo immer ihr auch gerade seid!

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Mumbai – Wiedersehen mit einer alten Bekannten

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22. Januar – Tag 40

Um 7:00 Uhr erreicht mein Nachtbus seine Endstation „V.T.“ – das steht für Victoria Terminus, den Hauptbahnhof von Mumbai – ein Bahnhof mit einem täglichen Passagieraufkommen von 3 Mio. Fahrgästen. Ich bin wieder zurück und am Ende meiner Reise zugleich!

Die Fahrt war zwar wieder etwas holprig, aber ich wurde wirklich angenehm überrascht! Der Bus heute Nacht war um Klassen besser ausgestattet als das Gefährt auf dem Weg von Goa nach Hampi!

Es gab Ein- und Zwei-Bett-Kojen – jede jeweils versehen mit einem Flatscreen-Fernseher und einer Steckdose und einer warmen Decke, dem wichtigsten Utensil bei solch einer Fahrt! Zudem war nach meiner Empfindung dieser Bus wesentlich sanfter gefedert und der Motor deutlich weniger laut. Alles in allem also eine positive Erfahrung! Und dass auch hier die Kabinen nur 1,90 Meter groß waren, liegt halt an der Anatomie der Inder – denn die sind einfach nicht so lang! Aber ich habe von Zeit zu Zeit ein Bein aus dem Bett hängen lassen… das ging auch!

Ein Taxi bringt mich zum Hotel einige Meter die Straße hinab… ich bin schon etwas „gerädert“ und habe keine Lust darauf, meinen Rucksack zu schleppen. Das Hotel (http://www.hoteloasisindia.in) hatte ich bereits im voraus reserviert, denn in Mumbai ist halt alles anders! Und hier ein brauchbares Hotel zu finden zu einem vernünftigen Preis ist ohne Reservierung wohl ein Ding der Unmöglichkeit. Und trotzdem hat sich der Preis für eine Übernachtung – gemessen am Standart des Hotels – mal eben verdoppelt. Eine Nacht in der von mir ausgesuchten und absolut durchschnittlichen Herberge kostet immerhin 2.000 Rs.!

Und damit sind wir direkt beim Thema… denn das ist schließlich schon mein zweiter Besuch in Mumbai. Vor drei Jahren war Mumbai auch der Endpunkt auf meiner letzten Indientour. Und schon damals habe ich bemerkt – wie schon bei den Hotelpreisen – dass in Mumbai alles anders ist als im Rest von Indien – und doch ist Mumbai ein Konzentrat von Indien! Mumbai ist lauter, größer, bunter, anstrengender… eine unglaubliche Mischung aus allem, was typisch indisch ist… und das alles noch verfeinert mit einer guten Portion „anders sein“! Irgendwie fällt es mir schwer, das besser auszudrücken. Ich hoffe, ihr versteht trotzdem, was ich damit meine.

Ich könnte seitenweise über diese Stadt schreiben… über das, was sie ist und was sie ausmacht – aber das würde zu weit führen! Mumbai ist Mumbai eben! Hier spielt das Leben der indischen High Society, in dieser Stadt gibt es alles, was es auch in jeder anderen Metropole von Weltrang gibt! Mumbai ist der finanzielle Dreh- und Angelpunkt Indiens… hier werden die großen Geschäfte abgeschlossen und hier befindet sich auch die Börse! Delhi mag die offizielle Hauptstadt Indiens sein – mit dem Parlament und all den Ministerien – die wirkliche gelebte Hauptstadt ist Mumbai!

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Nachdem ich den Vormittag habe gemächlich angehen lassen, bin ich dann gegen Mittag langsam losgelaufen zum Gate of India, dem Wahrzeichen Mumbais. Abgesehen mal davon befindet sich dort direkt um die Ecke das Büro der Agentur Reality Tours and Travel (http://www.realitytoursandtravel.com), bei denen ich eine Tour durch den Dharavi-Slum gebucht habe.

Was sich jetzt aber vielleicht wie übler „Katastrophentourismus“ anhört, hat eine deutlich andere Ausrichtung! Denn Reality Tours ist Teil einer Organisation, die versucht durch soziale Projekte in eben genau diesem Slum die Situation für die Bewohner zu verbessern – und 80% der Einnahmen von Reality Tours werden hierfür verwandt.

Bevor ich jetzt eine kurze Zusammenfassung meines Nachmittags abliefere, muss ich noch was „beichten“… ich war heute Mittag hier bei McDonalds essen. Mich hat es einfach überkommen… und ich konnte der Versuchung nicht widerstehen!

Wobei… so ganz das „richtige“ Burger-Erlebnis war es dann doch nicht. Denn hier gibt es natürlich kein Rindfleisch zwischen den Papp-Brötchen! Wir erinnern uns: Die Kuh ist schließlich heilig – und kommt hier maximal in den Tempel, aber bestimmt nicht auf den Burger! Dafür gab es bei mir dann das Chicken Maharaja Mac-Menü, mit Cola und Fritten mit Ketchup!

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Kurz zur Tour: Wir sind vom Büro von Reality Tours aus mit dem Wagen nach Dharavi gefahren. Nur um zuerst mal einer langläufigen irrigen Annahme entgegenzuwirken: Dort herrschen nicht Mord und Todschlag! Dharavi ist einfach nur ein Stadtteil, in dem unglaublich viele Menschen leben und arbeiten – unter ziemlich dramatischen Bedingungen – und zwar genau 1 Mio. Menschen auf einer Fläche von 1,75 km². Das sind 570.000 Einwohner je Quadratkilometer! Nur zum Vergleich: In Frankfurt teilen sich gut 2.800 Einwohner einen Quadratkilometer.

Insgesamt leben schätzungsweise 8 Mio. Einwohner in Mumbai in Slums – das ist über die Hälfte der Gesamteinwohnerzahl.

Die Versorgung mit Strom und Wasser in Dharavi ist weitgehend stabil… allerdings sind die sanitären Bedingungen katastrophal: 1.440 Einwohner teilen sich dort eine Toilette – rein statistisch.

Ein großer Teil der ansässigen Betriebe beschäftigt sich mit Recycling – vornehmlich von Kunststoff und Metallen.

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Ein Teil der „Bedingung“ für die Tour war, dass man keine Fotos von den Menschen macht! Verständlich, wenn man sich vorstellt wie wir dekadenten Westler zuhause unseren Freunden die Bilder hinhalten und dazu sagen: „Schau mal! Die armen Inder!“ Denn es ist sicherlich niemandes Wunsch gewesen, der dort gelandet ist, so leben zu müssen! Aber die Menschen in Dharavi sind trotzdem nicht unglücklich – auch wenn noch sehr viel zu verbessern ist! Und daran arbeiten ja auch die Leute von Reality Tours und Reality gives (http://www.realitygives.org), der Schwester-Organisation, die die Projekte dann vor Ort umsetzt.

Vielleicht nehmt ihr euch ja mal die Zeit auf die Website von Reality gives zu surfen… dort kann man einen kleinen Überblick über deren Arbeit bekommen. Und ich sollte noch erwähnen, dass sie das alles ohne staatliche Unterstützung bewerkstelligen!

Ich zumindest habe eine ordentliche Spende dort gelassen – denn ich finde diese Arbeit wirklich sehr unterstützenswert!

Und auf dieser Internetseite von Reality Tours gibt es noch offizielle Fotos aus Dharavi: https://www.flickr.com/photos/119419058@N08/sets/72157641841763365/

Und wenn ihr den Film Slumdog Millionaire gesehen habt, dann erkennt ihr auch diese Rohrleitung wieder…

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Ach, da war ja noch was… morgen in der Frühe um 7:00 Uhr geht mein Flug nach Delhi. Und von dort fliege ich weiter nach Frankfurt! Um 18:00 Uhr soll der Flieger wieder auf heimischem Boden aufsetzen!

Und ich freu‘ mich schon darauf euch alle wiederzusehen! Nur die Sache mit dem Wetter… da müssen wir noch mal drüber sprechen!

Namaste! … wo immer ihr auch gerade seid!

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Rückflug

28. November / Tag 42

1:57 Abflug
8:40 Stunden Flugzeit

6:10 Landung
3 Grad Außentemperatur ZH

7:45 Abflug

Die bunte Welt der Saris und Turbane ist passé… es herrscht wieder geschäftiges Business-Schwarz-Grau-Beige vor…
Lediglich die bunten Kunstoffkisten der Sicherheitskontrolle bilden den einzigen Farbakzent an diesem düsteren Morgen in Zürich.

Nachdem wir gestartet sind, geht langsam die Sonne wieder auf. Es ist kurz vor acht Uhr. Draußen vor dem Flugzeugfenster sehe ich zum ersten Mal seit Wochen wieder „richtige“ Wolken… schon sehr eigenartig. Die Berge, die in einiger Entfernung vorbeiziehen, können mich heute auch nicht reizen… denn ich habe den Himalaja gesehen. Was sind da schon die Alpen?

Ich frage mich, welcher meiner Mit-Passagiere wohl auch schon ‚mal in Indien war… all‘ diese wichtigen Entscheidungsträger mit ihren kleinkarierten Notizblöcken und den rahmenlosen Brillen… ob die auch schon was von der Welt gesehen haben… oder nur tagein, tagaus in ihrem Büro fristen um das Einfamilienhaus im Speckgürtel abzustottern… und ob die wohl auch schon mit indischen Truckern unterwegs waren?

Als gesundheitliches Resümee kann ich sagen: Das Essen habe ich direkt gut vertragen, aber man muss schon auf Scharf stehen… ich habe zumindest immer das gleiche wie die Inder auch gegessen… und das waren auch Restaurants, wo garantiert niemand Rücksicht darauf genommen hat, dass ich Ausländer bin! Gegessen wird, was auf den Tisch kommt!
Nur die Ventilator-Klimaanlagen-Problematik hat mir ‚mal wieder zugesetzt… Und genau hiergegen war ich nicht wirklich gut ausgestattet… ein Hustenlöser wäre wirklich spitze gewesen… bei der nächsten Reise kommt der auf jeden Fall mit auf den Einkaufszettel.

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Die Kuh macht die Fliege

27. November / Tag 41

Ich bin schon wieder erkältet… nicht wirklich schlimm, aber es reicht… zumindest habe ich einen ordentlich festsitzenden Husten, der mich erst nicht hat einschlafen lassen und mich dann heute morgen um kurz vor fünf Uhr wieder wach bekommen hat… ich glaube, meine Zimmernachbarn übrigens auch! An jeder Ecke bläst hier auch irgendwo ein Ventilator oder eine Klimaanlage kühlt alles auf Kühlschranktemperatur runter… und mit den ständig verschwitzten Klamotten wundert es mich natürlich auch nicht wirklich, dass ich schon wieder krank bin. Ich war aber heute noch in der „Apotheke“… hoffentlich lassen die mich mit meinem „Medikament“ überhaupt nach Deutschland einreisen… Ich erinnere mich da noch gut an einen indischen Hustensaft, den ich mir auf Sri Lanka gekauft hatte. Der Husten war zwar gestillt… aber ich war auch „lustig“ benebelt… so etwas fällt bei uns mit Sicherheit unter das Betäubungsmittelgesetz!

Mein Reiseführer führt für Mumbai die Markthallen als das Highlight auf. Das wollte ich mir natürlich auf keinen Fall entgehen lassen. Und da es auf solchen Großmärkten ja in der Regel schon früh „zur Sache“ geht, bin ich – trotz heutigem Sonntag – auch bereits um acht Uhr dort hingefahren – mit dem Bus für den Super-Spar-Preis von 7Rs. (10 Cents).

Wie sagte heute noch jemand zu mir: Mit Indien wäre das bei ihm eine echte Hassliebe: Wenn er eine Zeit lang hier gewesen ist, hätte er auch „die Nase voll“ von Land und Leuten… aber kaum Zuhause wieder angekommen würde die Sehnsucht nach dem Subkontinent sofort wieder erwachen.

Wie ich das sehe? Das wird die nächste Zeit zeigen. Was ich nur jetzt schon mit Sicherheit sagen kann, ist, dass ich zumindest eine Indien-Pause vertragen kann… aber auch, dass ich sehr wahrscheinlich zurückkommen werde – immerhin habe ich ja noch Südindien in Gänze „vor der Brust“…

Das Bild hier ist übrigens KEINE Fotomontage! Ganz ehrlich! So gesehen heute in der Markthalle in Mumbai! Frohe Weihnachten wünscht Euch schon ‚mal Eure Heilige Kuh!

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Mumbai – Ein Tag am Meer

26. November / Tag 40

Für meine letzten zwei Tage habe ich mir einen Plan gemacht um auch wirklich noch all‘ die Orte zu sehen, die mir hier als wichtig erschienen sind. Für den Morgen hatte ich mir folglich vorgenommen zu den Elephanta Höhlen zu fahren. Die befinden sich auf einer Insel etwa xxxkm vor der Küste von Mumbai. Kleine Fährschiffe bewerkstelligen den Transport der Kulturhungrigen in einer etwa einstündigen Fahrt.

Auf der Fähre herrscht während der gesamten Überfahrt Fotografierverbot… wie mir der Kapitän in ruppigem Ton mitteilt. Vor dem Hafen von Mumbai liegen etliche Schiffe der indischen Marine vor Anker – ein Flugzeugträger, mehrere kleinere Fregatten und ein Tankschiff. Nun gut – denke ich mir – wenn ich da etwas ausspionieren wollte, dann würde ich das sicherlich geschickter einfädeln, als den ganzen Tag auf dem Fährschiff immer nur am Objekt meiner Begierde vorbei zu schippern…

Nach meiner Rückkehr am Hafen, als ich mich noch einen Augenblick in den Schatten flüchte und dem ganzen Treiben zuschaue, sitzt da irgendwann ein vielleicht achtjähriger Junge neben mir – mit einem Faltblatt der Marine, in dem der gesamte Flugzeugträger bis ins letzte Detail vorgestellt wird… in englischer Sprache… inklusive Schiffsgrundriss! Als potentieller Spion wende mich dann doch lieber direkt an die Pressestelle der Marine! Aber man darf sich schon mal wundern!

Sowieso ist die Militärpräsenz in den Straßen Mumbais – vornehmlich an den bekannten Sehenswürdigkeiten und an sonstigen neuralgischen Punkten – extrem auffällig. Grund hierfür sind sicherlich auch die letzten Terroranschläge im November 2008. Das „Problem“ mit dem „Fotografierverbot“ habe ich ja bereits gestern am eigenen Leibe im Viktoria Terminus-Bahnhof erfahren müssen… aber letztendlich scheitern all‘ diese Kontrollen einerseits schon an der Schludrigkeit der ausführenden Kräfte… und andererseits ist eine wirklich daran, dass sie schlichtweg bei den Menschenmengen, die hier unterwegs sind, schon rein organisatorisch überhaupt nicht mehr machbar sind… Viktoria Terminus hat einen täglichen Passagierdurchsatz von etwa 3 Mio. Menschen. Wenn da erst einmal jeder abgetastet würde und seine Tasche vorzeigen müsste… der gesamte Verkehr käme zum Erliegen.

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Mumbai

25. November / Tag 39

Ich verbringe gut zwei Stunden im Internetcafé damit den Blog wieder auf den aktuellen Stand zu bringen – damit ihr die Erlebnisse der letzten Tage auch ordentlich „nacharbeiten“ könnt! Aber ich schreibe dieses Reisetagebuch schließlich ja nicht nur für Euch sondern natürlich auch für mich selbst… denn viele erinnerungswürdige Details und Begebenheiten geraten doch viel zu schnell wieder in Vergessenheit…

Trotzdem fände ich es natürlich fantastisch, wenn Euch die eine oder andere Begebenheit zum Schmunzeln gebracht hat und Euch vielleicht einen kleinen Einblick in das Leben hier vermitteln konnte… auch obwohl Ihr natürlich alles durch meine subjektive „Brille“ gesehen habt… schließlich ist das hier ja auch mein Reisebericht!

Deshalb jetzt noch einmal zum Ende meiner Reise hier der Aufruf an Euch alle – und ganz besonders an diejenigen, die zwar fleißig mitgelesen, aber sich noch nicht zu Wort gemeldet haben: Schreibt mir doch bitte einen kurzen Kommentar zu den letzten Beiträgen… wie es Euch gefallen hat… auch simple Grüße sind natürlich willkommen…

Mein Besuch im Internetcafé hat aber noch zu einer anderen erzählenswerten Begebenheit geführt: Ich habe dort einen jungen Mann aus Saudi-Arabien getroffen. Er lebt seit vier Jahren hier in Mumbai und vermittelt indische Arbeitskräfte in seine Heimat. Und er sprach gar nicht positiv über seine momentanen Gastgeber. Er meinte, niemand wäre hier wirklich ehrlich, jeder immer nur auf seinen Profit und seinen eigenen Vorteil bedacht. Das habe ich zwar so auch festgestellt, jedoch hatte ich angenommen, dass sich ein solches Verhalten schon hauptsächlich auf die Tourismusbranche beschränken würde.

Auch würde sich niemand hier an Regeln oder Gesetze halten… was insofern natürlich auch richtig ist, weil Korruption – gerade auch bei der Polizei oder bei Gericht – ein riesiges Problem in Indien darstellt. Wer gut schmiert, der gut fährt… Everything is possible in India!

Wobei mich das alles aus dem Munde eines Arabers dann doch auch stark verwundert hat… er meinte aber gerade hierzu, dass durch den Koran klare Regeln vorgegeben seien, die niemand wagen würde zu überschreiten. Der Hinduismus hat da ja eher eine lockere Haltung zu den Dingen… und wenn man ‚mal Mist gebaut hat, dann nimmt man halt ein Bad im Ghanges… und Schwamm drüber!

Ich weiß, das ist jetzt furchtbar undifferenziert… aber etwas Wahres steckt schon dahinter. Die Kultur hier unterscheidet sich einfach so maßgeblich von unserer… und so ist die indische Art zu denken vielleicht auch eine ganz andere… Die arabische bzw. islamische Welt steht unserem Selbstverständnis als Christen da wahrscheinlich doch näher.

Chhatrapati Shivaji Terminus (bis 1996 Victoria Terminus)

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Mumbai – It’s fun to stay at the YMCA…

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24. November / Tag 38

Die Fahrt im Nachtbus war jetzt nicht wirklich entspannend – zumal mich der vor mir sitzende Inder mit der Schlafposition seines Sitzes dermaßen „in die Zange genommen“ hat, dass ich kaum noch meine Beine bewegen konnte. Und der zwar nette, aber doch ziemlich korpulente Herr aus Singapur auf dem Sitz neben mir trug auch nicht wesentlich zu einer bequemeren Schlafhaltung meinerseits bei…

Trotz der um eine halbe Stunde verspäteten Abfahrt erreichen wir schon gegen etwa sechs Uhr den Stadtrand von Mumbai – der absolute Wahnsinn! Indiens Stadt der Superlative! 16,5 Mio. Einwohner! Wenn auch nicht die Hauptstadt, so ist es doch die Stadt in Indien, die den Takt angibt. Unsere Fahrt durch die Außenbezirke bis zur letzten Station der Busfahrt – und die liegt noch nicht einmal im Zentrum von Mumbai – dauert eine weitere Stunde. Dann muss ich umsteigen in ein Taxi. Und das setzt mich nach weiteren zwanzig Minuten Fahrt dann in der Nähe des Gateway of India im Stadtteil Colaba ab.

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Jetzt noch eine Unterkunft finden und es kann los gehen mit der Stadterkundung… Im Reiseführer wird das YWCA hoch gelobt, das „weibliche“ Pendant zum YMCA, der Herberge der Vereinigung christlicher junger Männer und spätestens durch die Village People weltweit bekannt… aber der „Frauen-Verein“ nimmt auch Männer zum Nächtigen auf! An der Rezeption bekomme ich hier direkt die schlechte Nachricht unterbreitet: Ausgebucht… komplett für die nächsten Tage! Als ich der Neugierde halber nach dem Preis frage, falle ich fast vom Stuhl… wenn ich auf einem gesessen hätte: 2.150Rs. (31 Euro) pro Nacht! Ich hatte bereits gelesen, dass Mumbai teuer sei… auch gerade im Bezug auf Unterkünfte… aber so teuer hatte ich es dann doch nicht erwartet. Die Frage, ob sie mir eine alternative Unterkunft empfehlen könnten, beantwortet man mir – wie sollte es auch anders sein – mit dem YMCA… direkt „um die Ecke“. Auch hier lässt man sich die christliche Nächstenliebe gut bezahlen: 2.000Rs. (28,80 Euro) je Nacht. Aber fairerweise muss man auch dazu sagen, dass das Zimmer das beste ist, was ich auf meiner gesamten Reise hatte – inkl. Klimaanlage und Fernseher mit Satellitenempfänger und Deutscher Welle TV… obwohl ich bisher bestens ohne diese Errungenschaften ausgekommen bin.

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Mumbai als ehemalige Machtzentrale der britischen Kolonialmacht hat seinen Charme zum Teil in die Jetztzeit hinüberretten können. Viele der Prachtbauten im Bezirk Mumbai Fort – benannt nach der früher hier befindlichen Festungsanlage – südlich von Victoria Terminus – dem wohl berühmtesten Bahnhof der Welt – zeugen von dieser Epoche. Die Straßen sind großzügig, sogar die Trottoirs laden durch ihre verschwenderische Breite zum Flanieren ein. Viele Menschen gibt es hier auch – wie überall auf dem Subkontinent, aber man hat trotzdem (ein wenig mehr) Raum für sich, ist nie von Menschenmassen umschlossen – auch ein ungewohntes Gefühl in Indien! Es ist für hiesige Verhältnisse in Mumbais „Guter Stube“ sogar verhältnismäßig sauber. Der Verkehr scheint geregelter vonstatten zu gehen als anderswo… die knatternden, stinkenden Motor-Rikschas hat man komplett aus der Innenstadt verbannt… ob die teilweise schon uralten Taxen jedoch weniger die Luft verpesten, ist eine andere Frage.

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Doch diese „heile Welt“ sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass in einem Großteil der Stadt eben nicht diese paradiesischen Zustände herrschen. Über die Hälfte der Stadtfläche gilt heute als Slumgebiet… zwei Millionen Einwohner verfügen über keine sanitären Anlagen – mit entsprechenden Konsequenzen für die hygienischen Verhältnisse in diesen Quartieren!

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Nachdem ich dem Gateway of India meinen Pflichtbesuch abgestattet habe, streife ich ziellos durch die Straßen und lasse die Stadt auf mich wirken. Entlang der Mahatma Gandhi Road spaziere ich über einen der vielen Straßenbazare… hier gibt’s Kleider, Hosen, T-Shirts… aber trotz des immensen Angebots wiederholt sich doch alles wieder… Massenware eben, es fehlt das Individuelle, das Kreative – aus der Masse auszubrechen und etwas Individuelles zu schaffen oder zu besitzen, etwas Einzigartiges, das scheint hier zumindest noch kein erstrebenswertes Ziel zu sein.

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Auf der gegenüber liegenden Straßenseite scheint ein großer Park zu sein. Nachdem ich den Eingang ausgemacht habe stellt sich der Park als riesige Wiese heraus, auf der an etlichen Stellen Cricket gespielt wird. Zwischen den Sportlern finden sich verstreute Gruppen von Zuschauern. Auch obwohl ich es beim Thema Cricket mit meinem ehemaligen englischen Gastvater halte, der zu diesem Sport nur meinte, dass er lieber Farbe beim Trocknen zuschauen würde, lasse ich mich trotzdem auf der Wiese nieder und genieße die Atmosphäre an diesem Ort der (relativen) Ruhe… bis ich mich bei Einbruch der Dunkelheit wieder auf den Rückweg zum YMCA mache.

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Übrigens: Nicht, dass ich Euch jetzt neidisch machen wollte wegen des Wetters hier – ich weiß ja, dass Ihr auch eine tollen Herbst hattet. Aber seit Amritsar habe ich hier keine Wolke mehr am Himmel gesehen… ich glaube, das ist schon mindestens drei Wochen her. Und hier in Mumbai hatten wir heute 37 Grad… selbst nach Sonnenuntergang liegt die Hitze noch drückend über der Stadt… zur Mittagszeit ist es fast unmöglich sich auf der Straße aufzuhalten, dermaßen brennt die Sonne vom Himmel. Und am besten macht man es wie viele Inder auch und verzieht sich einfach in den Schatten.

„Namaste“ Euch allen da draußen und passt bitte auf Euch auf!