Heilige Kühe

Die glücklichen Kühe Indiens sitzen mitten im dichten Straßenverkehr und genießen ihr göttliches Leben.

Aber was steckt eigentlich hinter dem Glauben an die heilige Kuh?

Heilige Tiere sind in Indien normal. Viele Tiere, die einem der indischen Götter zugeordnet sind, werden von den Indern verehrt. Doch „Heilige Tiere“ sind nicht gleich „Heilige Tiere“. Die Kuh ist in Indien ganz besonders heilig, anders als der Elefant, der Tiger, der Affe, die Schlange oder der Pfau: Ausnahmslos JEDE Kuh ist in Indien heilig.

Heilige Kuh

Auf den Straßen Indiens liegen, stehen, sitzen Kühe und denken nicht daran, den Autos oder Menschen auszuweichen. Eine Kuh in Indien wird nicht etwa nur für heilig gehalten. Ganz offensichtlich IST sie eine heilige Kuh. Kein Hindu würde einer Kuh ein Haar krümmen.

DIE HEILIGE KUH — MUTTER ALLEN LEBENS

Für die Hindus ist die Kuh die Mutter allen Lebens und gilt als Lebensspenderin. Ihre Milch, der Kuhmist, der Urin und auch das Butterschmalz und der Joghurt gelten als heilige Gaben an den Menschen.

Man sagt in Indien:Die heilige Kuh garantiert die Erfüllung aller Wünsche!

Religiös ist die Kuh besonders der Vishnu-Inkarnation Krishna zugeordnet. Krishna neben Shiva gehört in Indien zu den besonders beliebten Göttern. Gott Krishna nämlich wuchs unter Kühen auf und wurde von ihnen genährt und geschützt. Das Füttern einer Kuh gilt bis heute als Ritus, mit der der Gott Krishna verehrt wird.

HEILIGE TIERE HABEN VORFAHRT

  • Da die Kühe in Indien heilig sind, wäre es eine sehr schlechte Idee eine indische Kuh wie eine deutsche Kuh zu behandeln.
  • Es könnte sogar gefährlich werden eine Kuh, nur weil Sie etwa im Weg steht, zu beschimpfen. Auf keinen Fall sollte man eine Kuh schlecht behandeln oder gar (versehentlich z.B. mit dem Auto) töten. Das Risiko bei einem solchen Unfall wäre von einer wütenden Menschenmenge verfolgt oder gar gelyncht zu werden.
  • Die Kühe bringen Ihren Besitzern Milch, Glück und Arbeitskraft. Selbst wenn eine Kuh in die Jahre kommt und keine Milch mehr gibt, bringt sie ihrem Besitzer noch Segen. Sie zu ehren bis zu ihrem Tod, verbessert das Karma. Geschlachtet werden Kühe daher in der Regel nicht.
  • Eine Kuh zu töten kommt für einen Hindu einem Mord gleich.

DIE HEILIGE KUH UND IHRE FÜNF GABEN

Neben dem Kastenwesen, den bunten Farben und sinnlichen Göttern, gilt die heilige Kuh als besonders markante Eigenart des Hinduismus.

Die heilige Kuh gehört fraglos ins alltägliche indische Straßenbild. Doch was ist es eigentlich genau, das eine Kuh so wichtig für das Leben eines Inders macht.

Die Antwort darauf lässt sich mit den „Fünf Gaben“ der heiligen Kuh beantworten.

  • Die Milch
    Wie bei uns in Europa auch gilt die Milch einer Kuh als besonders wertvolles, nährendes Getränk für Kinder. In Indien wird Milch von Erwachsenen vor allem als Chai oder als Lasshi getrunken. Chai ist heißer, frisch gebrühter indischer Tee mit Milch. Jedermann trinkt ihn, es gibt ihn an jeder Straßenecke zu kaufen.
  • Das Ghee
    Das heilige Butterschmalz. Es wird bei Zeremonien und Ritualen in indischen Tempeln verwendet. Auch die Lampen in indischen Tempeln brennen mit Ghee und die Toten werden mit Ghee übergossen, bevor sie verbrannt werden. Schließlich wird Ghee auch als Nahrungsmittel, eben als Butterschmalz verwendet.
  • Der Mist
    Ähnlich wie in Europa wird Kuhmist in Indien als Bindemittel zum Bauen von Lehmhütten verwendet. Den indischen Bauern hat der Mist der heiligen Kuh seit Jahrtausenden als Brennmaterial gedient. Diese Tradition wird heute fortgeführt, indem Kuhmist zum Gewinnen von Biogas eingesetzt wird. Auch werden die Felder mit Mist gedüngt.
  • Der Urin
    Die heilige Kuh hat natürlich nicht nur heiligen Kot, sondern auch einen heiligen Urin. Der Urin der Kuh wird in indischen Tempeln so verwendet wie im christlichen Europa das Weihwasser. Jeder zum Hinduismus bekehrte wird zum Beispiel mit dem Urin einer Kuh besprenkelt. Ganz praktisch wirkt der Urin einer Kuh desinfizierend. Er soll auch als Getränk heilende Wirkung haben. Und man sagt in Indien sogar, dass der Urin einer Kuh gegen Karies helfen soll.
  • Das Lasshi
    Lasshi ist ein Getränk aus Joghurt. Es spielt in der Tradition Indiens eine wichtige Rolle. Wie der Chai ist auch Lasshi ein Milch-Getränk. Anders als der Chai wird es jedoch nicht heiß, sondern kalt getrunken.

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Wikipedia-Artikel zum Thema „Heilige Kühe“
Peter Jaeggi: Die heilige Kuh – Eine kleine indische Kulturgeschichte. Paulusverlag Fribourg/Schweiz 2009, ISBN 978-3-7228-0753-9

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