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Bijapur – Ein Palast auf Rädern

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18. Januar – Tag 36

Wie ich bereits geschrieben habe, hat der Tag schon früh für mich begonnen – hier geht es ja allgemein recht früh los mit dem Leben… dafür werden dann aber auch um Zehn Uhr abends die Bürgersteige hochgeklappt – wenn es welche gäbe!

Nachdem ich nun herausgefunden habe, dass die Fahrt nach Bijapur mit dem Zug ein ziemlicher „Krampf“ ist, werde ich versuchen, zuerst mit dem lokalen Bus nach Hospet zu gelangen, um von dort mit einem Regionalbus direkt nach Bijapur zu fahren. Fünf Stunden Fahrt warten auf mich – die Fahrt nach Hospet mal nicht eingerechnet. Aber das sind voraussichtlich nur zwanzig Minuten. Wie lange ich dort allerdings auf einen Anschluss warten muss, wissen mal wieder nur die Götter… aber bisher hat es ja auch immer funktioniert – irgendwie. Also: Alles wird gut!

Nach einem ausgiebigen Frühstück mache ich mich also zu Fuss auf den Weg zur lokalen Bushaltestelle in Hampi direkt in der Ortsmitte, wo der Bus nach Hospet bereits startklar bereitsteht. Als ich einsteige, traue ich kaum meinen Augen: Dieses Gefährt – zweifellos ein ausrangierter Langstreckenbus – ist von innen komplett mit goldenen Friesen und Verzierungen versehen worden… die Abgrenzung vorne zwischen Fahrerkabine und Fahrgastraum markieren zwei skulpturale, goldene Säulen mit mächtigen Kapitellen … selbst die Stangen zum Festhalten im Eingangsbereich haben eine – zwar etwas dezentere – Säulenoptik! Ein Palast auf Rädern – Kitsch as Kitsch can! Das ist mal ein Bus!

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Das Gefährt aus Tausend und einer Nacht setzt sich auch bald in Bewegung und nach einer knappen halben Stunde Fahrt erreichen wir den Busbahnhof von Hospet.

Nach dreimaligen Fragen habe ich dann auch direkt den Bus nach Bijapur ausgemacht, der schon mit laufendem Motor bereit zur Abfahrt an seiner Haltestelle steht. Nachdem der Schaffner meine Frage nach dem Ziel mit dem für Inder charakteristischen Kopf-Wackeln beantwortet (das bedeutet so viel wie Ja) und mich mit einer Geste zum schnellen Einsteigen auffordert, wuchte ich mein Gepäck die steilen Stufen empor und suche mir einen Platz in der hintersten Reihe… denn da gibt es ausreichend Platz. Wobei der Bus generell nur halb besetzt ist… alles entspannt hier. Obwohl dieses Gefährt auch kaum den Charme des Plastik-Palast-Busses besitzt – dies hier ist einfach nur ein Bus… wie langweilig! Auch kein wie wahnsinnig hupender Fahrer, keine dröhnende Musikanlage… sogar die Bustür wird während der Fahrt geschlossen!

Um 11:20 Uhr setzt sich der stinknormale Bus dann in Bewegung in Richtung Bijapur. Die Fahrt kostet übrigens 238 Rs. – das ist jetzt mal wirklich ganz schön teuer für so einen schnöden Überlandbus! Das sind immerhin 3,50 Euro! Aber mein Ticket kommt aus so einem mobilen Fahrkartendrucker, den der Schaffner – wie auch in den Zügen der DB – hier um den Hals hängen hat… und ich bin mir sicher, dass jeder andere für diese Tour den gleichen Preis bezahlt hätte.

Nur mal am Rande erwähnt… ist euch schon mal aufgefallen, dass egal wo immer ich auch hinfahre alle Busse immer um Zwanzig nach abfahren. Das ist doch irgendwie seltsam! Aber wenn ihr in Zukunft also mal in Indien mit dem Bus irgendwo hin fahren wollt, seid einfach um Viertel nach an der Haltestelle… denn dann kommt garantiert in fünf Minuten der Bus!

Die Strecke nach Bijapur ist fast Autobahn-artig ausgebaut – für indische Verhältnisse. Sie verläuft weitgehend geradlinig, es gibt zwei Fahrbahnen je Fahrtrichtung und diese sind durch einem richtigen Mittelstreifen voneinander getrennt. Überholen tut man trotzdem aber mal rechts, mal links – so, wie es gerade passt – hier funktioniert das eben so und ist Teil des Systems… und eigentlich funktioniert das ziemlich gut so!

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Mein Sitznachbar ist auch wirklich rührend. Erst hat er mir fast verschämt von seinen Erdnüssen angeboten und dann ein Tuch auf meinen Platz gelegt, als ich an einem Zwischenhalt mal kurz vor der Tür war um mir die Beine zu vertreten… damit auch jeder andere sofort sieht: Dieser Platz ist schon belegt! … obwohl mein dicker Rucksack ja schon eigentlich „Zeichen“ genug gewesen ist. Aber es war einfach eine liebe Geste von ihm – und so sind die Inder einfach auch… eben herzensgute Menschen!

Der Schaffner sagt mir auf meine Nachfrage hin, dass wir gegen Vier Uhr in Bijapur ankommen werden. Ich bin schon wirklich sehr gespannt auf diese Stadt, denn sie liegt relativ abseits der allgemeinen Touristenströme. Aber auch gerade das macht sie für mich interessant.

Trotzdem gibt es hier vieles zu sehen. Denn Bijapur besitzt einige der schönsten islamischen Bauten des Dekkan und wird oft als „Agra des Südens“ bezeichnet. Über 300 Jahre war die Stadt der Sitz einer Reihe mächtiger Herrscher, deren Mausoleen, Moscheen, prächtige Verwaltungsgebäude und Festungen von einer Zeit unerhörten Wohlstands und künstlerischen Hochleistungen zeugen.

Um Halb Drei machen wir Mittagspause für eine Viertelstunde – in Almatti Petrol Pump! Man kann sich das „Ortsbild“ entsprechend vorstellen – die Hauptattraktion wird schon direkt im Ortsnamen genannt! Petrol Pump ist übrigens ein Stadtteil von Araladinni – wo auch sonst sollte es so einen Stadtteil geben? Die Tankstelle gehört allerdings zu Indian Oil – und nicht zu Aral!

Fast mit dem Glockenschlag Punkt Vier erreichen wir den Busbahnhof von Bijapur. Ich hatte mir die Stadt größer vorgestellt – aber es ist „nur“ eine indische Kleinstadt. In den Straßen herrscht die übliche Geschäftigkeit, der übliche Trubel, der übliche Verkehr… und kein westlicher Tourist weit und breit (Anmerk.: Einen habe ich dann doch später noch gesehen). Das sind mir die liebsten Orte – und in der Regel sind das auch die authentischsten. Hier bin ich nur Beobachter – hier dreht sich nichts um mich. Kein aufgesetztes Touristen-Tam-Tam! Einfach nur das ganz normale Leben!

Meine Unterkunft erreiche ich mit einer Motor-Rikscha schnell und unkompliziert… und groß ist die Auswahl hier ohnehin nicht. 700 Rs. für ein durchschnittliches Hotel – aber ich habe schon deutlich schlechter genächtigt.

Da es noch hell ist, mache ich mich zu Fuß auf den Weg in die Innenstadt – ein Weg von einer guten halben Stunde – und lande in der Markthalle von Bijapur. Ich liebe Markthallen – vor allem hier in Indien… die Atmosphäre, die vielen bunten Farben, der Duft von frischen Kräutern, das geschäftige Treiben – ein Ameisenhaufen von Menschen. So streife ich ziellos durch die engen Gänge und sauge all das begierig auf!

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Der Reiseführer empfiehlt zudem ein Restaurant auf dem Dach der Markthalle, welches ich nach einigem Suchen dann auch finde. Dieses „Dachrestaurant“ hat zwar den Charme eines Parkdecks mit Plastikstühlen und Tischen… aber irgendwie passt das hier genau hin – das ist Indien nach meinem Geschmack. Alles nicht perfekt – aber genau richtig so! … und obendrein ist das Essen auch gar nicht mal so schlecht!

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Auffällig ist die reine „Männergesellschaft“ in diesem Restaurant – keine Frau weit und breit… wobei schon viel zu tun ist! Aber den Grund hierfür kann ich mir auch nicht erklären, hat aber wahrscheinlich wieder mit dem allgemeinen Rollenbild der Frau in Indien zu tun.

Generell ist die Quote an Frauen, die ein Kopftuch oder sogar eine Burka tragen, seit meiner Abfahrt in Hampi deutlich wahrnehmbar gestiegen. Und auch die Bewohner Bijapurs sind zur Hälfte Muslime – was bei diesem geschichtlichen Hintergrund ja auch nicht wirklich verwundert (Nur am Rande bemerkt: Benaulim – mein Stopp in Goa – ist übrigens ein katholisches Fischerdorf – das haben wohl die Portugiesen „angerichtet“).

Morgen geht es dann auf Besichtigungstour hier in der Stadt. Ich werde berichten!

Namaste! … wo immer ihr auch gerade seid!