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Bijapur – Im touristischen Funkloch

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19. Januar – Tag 37

Meinen Plan heute um 6:00 Uhr aufzustehen, habe ich – als der Wecker klingelt – dann doch noch mal über den Haufen geworfen… mal ganz davon abgesehen, dass es draußen noch dunkel war.

Heute steht als erstes das Gol Gumbaz-Mausoleum auf meiner Liste. Und weil ich gestern Abend gesehen habe, was für Besuchermengen da unterwegs sein können, hatte ich mir vorgenommen dort früh am Morgen zu sein.

Als ich schlussendlich um 8:00 Uhr durch die Pforte das Gelände betrete, sieht es auch noch ganz entspannt aus… und jetzt taucht zudem die aufgehende Sonne die ganze Szenerie in eine wunderschöne Lichtstimmung – ideal zum Fotografieren!

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Das Gol Gumbaz-Mausoleum wurde Ende der Adil-Shahi-Herrschaft im 17. Jh. errichtet und ist ein passendes gigantomanes Denkmal für eine kurz vor dem Niedergang stehende Dynastie. Die kubische Grabstätte – immerhin sieben Stockwerke hoch – wird gekrönt von einer riesigen Kuppel mit 36 Metern Durchmesser – nach dem Petersdom in Rom die zweitgrößte der Welt! Die Deckenhöhe im Inneren beträgt stolze 50 Meter! Beeindruckende Dimensionen, die – und daher rührt der Vergleich von Bijapur mit Agra – mit dem Taj Mahal durchaus mithalten können… wenngleich auch dieses Meisterwerk der Architektur in seiner Ornamentik und Proportion dem doch eher klobigen Gol Gumbaz natürlich ohne Mühe den Rang abläuft. Aber einen Besuch wert ist das Gol Gumbaz allemal!

Mein Rundgang führt mich dann weiter zur Jama Masjid-Moschee – ebenfalls erbaut von Ali Adil Shah – einem schlichten und zurückhaltenden Bau, der als eine der schönsten Moscheen Indiens gilt.

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Ich laufe weiter zum Mithari Mahal, welches – trotz seines bescheidenen Umfangs – durch seine reich verzierten Fenster und Minarette als eines der schönsten Gebäude Bijapurs bezeichnet wird. Es geht ebenfalls zurück auf Ali Adil Shah. Leider befindet sich dieser „Palast“ in einem sehr schlimmen Zustand und die benachbarten Gebäude wurden relativ hemmungslos einfach „angebaut“. Wirklich schade!

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Dass ich hier noch touristisches Niemandsland betrete, macht sich in zweierlei Hinsicht deutlich: Einerseits kann man die westlichen Touristen in der Stadt wirklich noch an zwei Händen abzählen, andererseits sind die meisten Denkmäler, die aus meiner Sicht schon von erheblichem historischen Wert sind, allesamt in einem traurigen Zustand – mal einzig abgesehen vom Gol Gumbaz. Bijapur hat so viel zu bieten, aber so wirklich macht noch niemand etwas draus.

Gerade zum Beispiel auch die Befestigungsanlagen der alten Zitadelle fristen teilweise einen „Dornröschenschlaf“ und sind von meterhohem Grünzeug eingewachsen. An anderer Stelle haben sich dort einfach andere Nutzungen „eingenistet“.

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Nicht, dass ich aus der Stadt ein steriles Freilichtmuseum machen wollte – aber etwas mehr Pflege und ein wenig mehr Wertschätzung dieser Kulturschätze würden Bijapur sehr zugute kommen! Sicherlich spielt Geld dabei auch eine entscheidende Rolle – das ist mir schon bewusst. Das alte Problem halt…

Ich kann mich ja mal bewerben – als Direktor für Denkmalschutz und Tourismus… nur so eine Idee!

Mein Abendessen versuche ich dann im Hotel-eigenen Restaurant einzunehmen… was sich etwas schwierig gestaltet! Nachdem wir die Getränkefrage als erstes klären konnten, bringt mir der Kellner eine Flasche Sprite, gießt mir ein kleines Glas voll ein und zieht mit der noch halb vollen Flasche wieder ab. Aus der Distanz sehe ich, wie er sie in den Kasten mit dem Leergut stellt. Hmm… schon mal merkwürdig! Danach geschieht erstmal gar nichts mehr! Man lässt mich einfach so am Tisch sitzen… und erst auf meine direkte Nachfrage hin bringt man mir die Speisekarte. Vielleicht sollte man noch erwähnen, dass ich zu diesem Zeitpunkt der einzige Gast bin. Aber dafür sind Restaurants doch da… dass man etwas isst! Oder habe ich da was falsch verstanden? Die Speisekarte wird mir gebracht… und innerhalb von Sekunden habe ich direkt drei Kellner am Tisch stehen, die mir zusammen die Speisekarte vorlesen! Nun gut… des Lesens bin ich ja durchaus mächtig – so hin und wieder mal. Auf meine Nachfrage, was denn das eine oder andere der aufgezählten Gerichte genau sei, ernte ich Ratlosigkeit! Man versucht die eine Speise mit der anderen zu erklären: Das ist doch so wie… Aber da ich keines der beiden Gerichte kenne, hilft mir das recht wenig weiter. Am Ende entscheide ich mich für eine Art Blumenkohl-Curry – da weiß ich, was mich erwartet. Dafür steht das Essen dann innerhalb weniger Minuten auf dem Tisch… Kompliment! Das ging schnell!

Aber man hat schon manches Mal das Gefühl, dass hier einige ständig ihren ersten Tag haben… sei es nun Unsicherheit einem westlichen Gast bzw. Kunden gegenüber oder wirklich die mangelnde Vorstellung davon, was denn jemand von einer bestimmten Dienstleistung erwartet. Aber irgendwie ist das ja auch niedlich – und ich sehe das alles mit Gelassenheit und viel Humor!

Morgen geht es dann noch mal Richtung Süden – ich habe meine Pläne geändert! Bijapur bietet jetzt doch nicht genug Sehenswertes für weitere zwei Tage… und so werde ich mich in der Frühe in den Zug setzen und nach Badami fahren – angeblich zwei Stunden von hier entfernt. Ich werde berichten, was es dort zu entdecken gibt.

Namaste! … wo immer ihr auch gerade seid!

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