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Mumbai – Wiedersehen mit einer alten Bekannten

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22. Januar – Tag 40

Um 7:00 Uhr erreicht mein Nachtbus seine Endstation „V.T.“ – das steht für Victoria Terminus, den Hauptbahnhof von Mumbai – ein Bahnhof mit einem täglichen Passagieraufkommen von 3 Mio. Fahrgästen. Ich bin wieder zurück und am Ende meiner Reise zugleich!

Die Fahrt war zwar wieder etwas holprig, aber ich wurde wirklich angenehm überrascht! Der Bus heute Nacht war um Klassen besser ausgestattet als das Gefährt auf dem Weg von Goa nach Hampi!

Es gab Ein- und Zwei-Bett-Kojen – jede jeweils versehen mit einem Flatscreen-Fernseher und einer Steckdose und einer warmen Decke, dem wichtigsten Utensil bei solch einer Fahrt! Zudem war nach meiner Empfindung dieser Bus wesentlich sanfter gefedert und der Motor deutlich weniger laut. Alles in allem also eine positive Erfahrung! Und dass auch hier die Kabinen nur 1,90 Meter groß waren, liegt halt an der Anatomie der Inder – denn die sind einfach nicht so lang! Aber ich habe von Zeit zu Zeit ein Bein aus dem Bett hängen lassen… das ging auch!

Ein Taxi bringt mich zum Hotel einige Meter die Straße hinab… ich bin schon etwas „gerädert“ und habe keine Lust darauf, meinen Rucksack zu schleppen. Das Hotel (http://www.hoteloasisindia.in) hatte ich bereits im voraus reserviert, denn in Mumbai ist halt alles anders! Und hier ein brauchbares Hotel zu finden zu einem vernünftigen Preis ist ohne Reservierung wohl ein Ding der Unmöglichkeit. Und trotzdem hat sich der Preis für eine Übernachtung – gemessen am Standart des Hotels – mal eben verdoppelt. Eine Nacht in der von mir ausgesuchten und absolut durchschnittlichen Herberge kostet immerhin 2.000 Rs.!

Und damit sind wir direkt beim Thema… denn das ist schließlich schon mein zweiter Besuch in Mumbai. Vor drei Jahren war Mumbai auch der Endpunkt auf meiner letzten Indientour. Und schon damals habe ich bemerkt – wie schon bei den Hotelpreisen – dass in Mumbai alles anders ist als im Rest von Indien – und doch ist Mumbai ein Konzentrat von Indien! Mumbai ist lauter, größer, bunter, anstrengender… eine unglaubliche Mischung aus allem, was typisch indisch ist… und das alles noch verfeinert mit einer guten Portion „anders sein“! Irgendwie fällt es mir schwer, das besser auszudrücken. Ich hoffe, ihr versteht trotzdem, was ich damit meine.

Ich könnte seitenweise über diese Stadt schreiben… über das, was sie ist und was sie ausmacht – aber das würde zu weit führen! Mumbai ist Mumbai eben! Hier spielt das Leben der indischen High Society, in dieser Stadt gibt es alles, was es auch in jeder anderen Metropole von Weltrang gibt! Mumbai ist der finanzielle Dreh- und Angelpunkt Indiens… hier werden die großen Geschäfte abgeschlossen und hier befindet sich auch die Börse! Delhi mag die offizielle Hauptstadt Indiens sein – mit dem Parlament und all den Ministerien – die wirkliche gelebte Hauptstadt ist Mumbai!

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Nachdem ich den Vormittag habe gemächlich angehen lassen, bin ich dann gegen Mittag langsam losgelaufen zum Gate of India, dem Wahrzeichen Mumbais. Abgesehen mal davon befindet sich dort direkt um die Ecke das Büro der Agentur Reality Tours and Travel (http://www.realitytoursandtravel.com), bei denen ich eine Tour durch den Dharavi-Slum gebucht habe.

Was sich jetzt aber vielleicht wie übler „Katastrophentourismus“ anhört, hat eine deutlich andere Ausrichtung! Denn Reality Tours ist Teil einer Organisation, die versucht durch soziale Projekte in eben genau diesem Slum die Situation für die Bewohner zu verbessern – und 80% der Einnahmen von Reality Tours werden hierfür verwandt.

Bevor ich jetzt eine kurze Zusammenfassung meines Nachmittags abliefere, muss ich noch was „beichten“… ich war heute Mittag hier bei McDonalds essen. Mich hat es einfach überkommen… und ich konnte der Versuchung nicht widerstehen!

Wobei… so ganz das „richtige“ Burger-Erlebnis war es dann doch nicht. Denn hier gibt es natürlich kein Rindfleisch zwischen den Papp-Brötchen! Wir erinnern uns: Die Kuh ist schließlich heilig – und kommt hier maximal in den Tempel, aber bestimmt nicht auf den Burger! Dafür gab es bei mir dann das Chicken Maharaja Mac-Menü, mit Cola und Fritten mit Ketchup!

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Kurz zur Tour: Wir sind vom Büro von Reality Tours aus mit dem Wagen nach Dharavi gefahren. Nur um zuerst mal einer langläufigen irrigen Annahme entgegenzuwirken: Dort herrschen nicht Mord und Todschlag! Dharavi ist einfach nur ein Stadtteil, in dem unglaublich viele Menschen leben und arbeiten – unter ziemlich dramatischen Bedingungen – und zwar genau 1 Mio. Menschen auf einer Fläche von 1,75 km². Das sind 570.000 Einwohner je Quadratkilometer! Nur zum Vergleich: In Frankfurt teilen sich gut 2.800 Einwohner einen Quadratkilometer.

Insgesamt leben schätzungsweise 8 Mio. Einwohner in Mumbai in Slums – das ist über die Hälfte der Gesamteinwohnerzahl.

Die Versorgung mit Strom und Wasser in Dharavi ist weitgehend stabil… allerdings sind die sanitären Bedingungen katastrophal: 1.440 Einwohner teilen sich dort eine Toilette – rein statistisch.

Ein großer Teil der ansässigen Betriebe beschäftigt sich mit Recycling – vornehmlich von Kunststoff und Metallen.

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Ein Teil der „Bedingung“ für die Tour war, dass man keine Fotos von den Menschen macht! Verständlich, wenn man sich vorstellt wie wir dekadenten Westler zuhause unseren Freunden die Bilder hinhalten und dazu sagen: „Schau mal! Die armen Inder!“ Denn es ist sicherlich niemandes Wunsch gewesen, der dort gelandet ist, so leben zu müssen! Aber die Menschen in Dharavi sind trotzdem nicht unglücklich – auch wenn noch sehr viel zu verbessern ist! Und daran arbeiten ja auch die Leute von Reality Tours und Reality gives (http://www.realitygives.org), der Schwester-Organisation, die die Projekte dann vor Ort umsetzt.

Vielleicht nehmt ihr euch ja mal die Zeit auf die Website von Reality gives zu surfen… dort kann man einen kleinen Überblick über deren Arbeit bekommen. Und ich sollte noch erwähnen, dass sie das alles ohne staatliche Unterstützung bewerkstelligen!

Ich zumindest habe eine ordentliche Spende dort gelassen – denn ich finde diese Arbeit wirklich sehr unterstützenswert!

Und auf dieser Internetseite von Reality Tours gibt es noch offizielle Fotos aus Dharavi: https://www.flickr.com/photos/119419058@N08/sets/72157641841763365/

Und wenn ihr den Film Slumdog Millionaire gesehen habt, dann erkennt ihr auch diese Rohrleitung wieder…

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Ach, da war ja noch was… morgen in der Frühe um 7:00 Uhr geht mein Flug nach Delhi. Und von dort fliege ich weiter nach Frankfurt! Um 18:00 Uhr soll der Flieger wieder auf heimischem Boden aufsetzen!

Und ich freu‘ mich schon darauf euch alle wiederzusehen! Nur die Sache mit dem Wetter… da müssen wir noch mal drüber sprechen!

Namaste! … wo immer ihr auch gerade seid!

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