Schlagwort-Archive: Badami

Badami – Affentheater am Bahnhof

20150121-184835.jpg

21. Januar – Tag 39

In Badami stellt sich mir heute Morgen die Frage: Wie jetzt weiter? In der Nähe befindet sich noch das Dörfchen Pattadakal, welches mit seinen Tempeln sogar die Auszeichnung Weltkulturerbe führt. Aber trotz der vermeintlich räumlichen Nähe sind es mit dem Bus gut anderthalb Stunden Fahrt bis dorthin. Und ich stelle mir die Frage, ob ich dorthin zum Abschluss noch einen Abstecher wagen soll.

Aber die Planung für meine restliche Reise ist schon ziemlich „festgezurrt“: Heute Abend fährt mein Nachtbus um 21:00 Uhr von Bijapur nach Mumbai – und den will ich auf keinen Fall verpassen. Denn das hätte wirklich weitreichende Konsequenzen für meinen weiteren Reiseverlauf… und auch meinen Rückflug!

Das wirkliche Problem bei meiner Planung ist nun allerdings die Tatsache, dass es nur wenige Züge auf der Strecke von Badami nach Bijapur gibt – einen morgens um 9:30 Uhr und dann erst wieder einen um 16:20 Uhr. Und dieser späte Zug würde um kurz vor Acht in Bijapur ankommen. Der Bahnhof liegt aber natürlich am anderen Ende der Stadt – der Busbahnhof, von wo der Nachtbus abfährt, im Stadtzentrum. Wenn jetzt dieser Zug Verspätung hat, geht meine gesamte Reiseplanung nicht mehr auf! Und das mit der Verspätung ist hier ja so eine Sache – wie meine letzten Fahrten mit der Bahn gezeigt haben. Es kann gut gehen – muss aber nicht!

Alternativ könnte ich auch von Badami nach Bijapur mit dem Bus fahren. Hierbei gibt es allerdings das Erschwernis, dass es keinen durchgehenden Bus gibt… d.h. zuerst bis zu einem Örtchen namens Kulgeri fahren, welches an der Schnellstraße nach Bijapur liegt und dort umsteigen in einen anderen Bus. Irgendwie funktioniert das schon, das weiß ich ja… aber am Ende entscheide ich mich für die sichere Seite und nehme den Zug um 9:30 Uhr. Alles andere birgt einfach zu viele unkalkulierbare Faktoren… und die Tempel in Pattadakal müssen bei dieser Reise leider auf meinen Besuch verzichten.

Gegen kurz vor Neun mache ich mich also mit der Motor-Rikscha auf den Weg zum Bahnhof, der in gut 5 Kilometern Entfernung zur Ortschaft liegt. Dort angekommen hat der Fahrkartenschalter noch geschlossen… Nun ja, zur Not fahre ich eben ohne Fahrkarte und löse beim Schaffner nach. So gewaltig sind die Zuschläge hier ja nicht, dass ich mir darüber Gedanken machen würde. Die reguläre Fahrkarte von Badami nach Bijapur kostet übrigens 30 Rs. – knapp 50 Cents – für eine dreieinhalbstündige Fahrt und 124 Kilometer Distanz. Der Passengertrain braucht halt eine Stunde länger als der Express.

Irgendwann bewegt sich dann der Vorhang, der den Fahrkartenschalter vor neugierigen Blicken schützen soll… in der Zwischenzeit hat sich aber schon eine Menschentraube vor dem Fenster mit dem kleinen Loch in der Mitte angesammelt. Und als der Vorhang dann nach weiteren Minuten des Wartens endgültig zur Seite gezogen wird, gibt es kein Halten mehr für die Massen! Ihr könnt euch das Bild ungefähr vorstellen. Mit meinem Gepäck versuche ich tapfer meine Stellung zu behaupten, verliere aber dann doch im allgemeinen Chaos einige Plätze an meine Mitstreiter… schaffe es dann aber doch unbeschadet bis zum Mann am Schalter vorzudringen und mein Ticket zu erstehen.

Zu erwähnen wäre noch, dass an diesem Bahnhof auch eine gefährliche Bande ihr Unwesen treibt… eine Affenbande! Kein Scherz! Ein Rudel von Affen hat sich hier auf dem Bahnhofsgelände eingenistet und stiehlt den Reisenden alles, was essbar ist oder danach aussieht! Akrobatische Szenen gibt es da zu beobachten… aber während meiner Anwesenheit heute morgen konnte ich keinen großen Coup der kleinen Verbrecher beobachten… aber Versuche gab es schon einige!

Um 8:40 Uhr geht es dann los… fast schon planmäßig. Der Zug ist relativ voll besetzt, aber ich finde trotzdem schnell einen Sitzplatz.

Die Fahrt verläuft verhältnismäßig unprätentiös… und draußen zieht eine karge, trockene Landschaft vorbei – der staubige Norden von Karnataka.

20150121-184655.jpg

12:48 läuft der Zug dann in Bijapur ein… unglaublich! Wir stellen neue Geschwindigkeitsrekorde auf – denn planmäßig war die Ankunft erst für 13:00 Uhr vorgesehen!

Aber was mache ich jetzt mit dem angebrochenen Tag… und vor allem wohin mit meinem ganzen Gepäck? Denn damit macht es wirklich keinen Spaß unterwegs zu sein…

Vor dem Bahnhof gönne ich mir erst einmal eine süße Kleinigkeit. Hier in der Gegend gibt es tolles Blätterteiggebäck – süß mit kandierten Früchten oder würzig mit Gemüse. Und dazu einen Chai!

Mit meinem Verhalten bringe ich allerdings die gesamte Schar der Motor-Rikscha-Fahrer vorm Bahnhof durcheinander… denn dass man als westlicher Tourist hier einfach „rumlungert“ scheint für die Truppe etwas neues zu sein – mal ganz davon abgesehen, dass sie natürlich Kundschaft suchen. Aber da müssen sie auf mich heute verzichten – in Bijapur gibt es ein ziemlich gutes Stadtbus-Netz. Und nachdem ich ihnen die Nummer der entsprechenden Buslinie und den Fahrpreis runtergebetet habe, lassen sie von mir ab. Sie haben dann wohl bemerkt, dass ich mich hier etwas auskenne…

Die Gepäckfrage löse ich dann so, dass ich einfach noch mal an meinem letzten Hotel hier in Bijapur vorbeischaue… wie sollten sie es auch ablehnen können für ein paar Stunden meine Sachen „zu hüten“… und es funktioniert!

20150121-185230.jpg

Von hier mache ich mich dann auf den Weg zum Ibrahim Rauza-Mausoleum… und verbringe dort des Rest des Nachmittags – einerseits mit Fotografieren, andererseits damit, Indern ihre Fragen zu beantworten und Fotowünsche zu erfüllen… was mir mittlerweile auch etwas auf die Nerven geht. Weil man wirklich fast keine 500 Meter durch die Gegend laufen kann ohne angesprochen zu werden. Aber sei’s drum…

Heute Nacht geht es nach Mumbai – mit dem Nachtbus! Ich werde versuchen morgen noch Bericht zu erstatten!

Namaste! … wo immer ihr auch gerade seid!

Badami – Großer Waschtag

20150120-201935.jpg

20. Januar – Tag 38

Der Tag beginnt heute mal wirklich planmäßig für mich… alles ist halt möglich in Indien! Und so stehe ich pünktlich um 8:00 Uhr am Bahnsteig um den Zug nach Badami zu nehmen. Der Intercity Express – kein Witz! Das steht so wirklich auf dem Fahrplan – benötigt für diese Strecke zweieinhalb Stunden. Dass die vorgesehene Abfahrtszeit 8:25 Uhr sein sollte, der Zug sich dann aber erst um 8:55 Uhr in Bewegung setzt, lasse ich jetzt mal unerwähnt… irgendwie war früher alles besser!

Durch Zufall bzw. weil es natürlich nirgendwo geschrieben steht, lande ich in einem Waggon, für den man eine Sitzplatzreservierung benötigt. Der Schaffner macht mich bei der Kontrolle der Fahrscheine darauf aufmerksam und verlangt 15 Rs. Zuschlag zu meiner normalen Fahrkarte. Nun gut… für diese 20 Cents bewege ich mich hier bestimmt keinen Zentimeter mehr vom Fleck und gebe meinen Sitzplatz wieder her. Der Schaffner betont auch noch mal ausdrücklich, dass das gar kein Problem darstellen würde. Mit den Worten „Enjoy the comfort!“ verabschiedet er sich von mir – wobei ein solcher Wunsch in diesem Zug schon fast an schwarzen Humor grenzt. Denn komfortabel sind die durchgesessenen, harten Sitzbänke nun mal in keiner Weise. Aber Ankommen ist ja bekanntlich alles!

Wie wir das dann letztendlich geschafft haben, ist und bleibt mir zwar ein Rätsel – aber trotz unserer Verspätung von einer halben Stunde sind wir auf die Minute pünktlich in Badami. Also heute doch mal ein Lob für die indische Eisenbahn!

20150120-201325.jpg

Die Stadt Badami – ehemals Hauptstadt der Chalukyas (543-757 n. Chr.) – ist von flachem Ackerland umgeben und reicht nach Osten in eine Schlucht zwischen zwei roten Sandsteinhügeln, die jeweils von einer alten Festungsanlage gekrönt werden. In der Schlucht wurde vermutlich im 5. Jh. der künstliche See Agastya angelegt. Besondere Sehenswürdigkeiten hier sind mehrere in den Fels geschlagene Tempel aus dem 6. Jh.

20150120-201454.jpg

Weitere Details zur Geschichte und den einzelnen Tempeln erspare ich euch heute mal! Denn selbst ich habe auch schon langsam so eine Art „Tempelkoller“… und ich muss mir nicht auch noch den Achthundertsiebenundzwanzigsten Shiva-Tempel anschauen! Sicherlich, im Detail gibt es da immer Unterschiede! Aber irgendwie fühle ich mich langsam „gesättigt“ von den vielen Informationen. Ich brauche wohl eine Tempel-Pause!

Aber was in Badami deutlich auffällt, ist die Tatsache – im Gegensatz zu Bijapur – dass hier wirklich alles tip-top gepflegt ist… der Rasen um die Denkmäler ist kurz geschnitten und saftig grün, die Wege sauber und in einem guten Zustand und die kleinen, begleitenden Hecken sind tadellos zurechtgestutzt! Und das alles, obwohl Badami ja noch wesentlich weiter ab vom allgemeinen Touristen-Trampelpfad liegt als Bijapur.

20150120-201600.jpg

Auf der anderen Seite – und da kollidieren mal wieder Wunsch und Wirklichkeit – waschen die Frauen des Ortes fleißig in dem künstlichen See ihre Wäsche… was sie wohl auch schon seit Jahrhunderten getan haben. Damals gab es halt nur noch keine chemischen Waschmittel. Und ob diese Chemie dem ökologischen Gleichgewicht des Sees so richtig gut tut, wage ich zu bezweifeln. Zumindest hatte das Wasser eine Algen-grüne Färbung… was jetzt auch nicht wirklich verwundert. Das romantisch-verklärte Bild der Frauen am Ufer, wie sie die Wäsche schrubben und schlagen, mag als Fotomotiv prima taugen… aber der Umwelt tut man damit sicherlich keinen Gefallen. Aber beim Thema Umweltschutz liegt hier einfach noch jede Menge im Argen!

20150120-201659.jpg

Morgen muss ich dann wieder zurück nach Bijapur – denn um 21:00 Uhr fährt von dort mein Nachtbus nach Mumbai ab! Und dann geht es ja auch schon fast wieder heim…

Namaste… wo immer ihr auch gerade seid!