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Benaulim – Good-Bye Goa!

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15. Januar – Tag 33

Schon mein letzter Tag wieder in Goa – also dieses Mal nur eine kurze Stippvisite! Aber einen Eindruck von der Gegend habe ich jetzt zumindest. Es ist halt hier alles deutlich auf den Tourismus ausgerichtet, der ja hier in dieser Gegend auch schon vor einigen Jahrzehnten Einzug gehalten hat.

Den Vormittag verbringe ich damit in einem Reisebüro im „Dörfchen“ – der Ortskern Benaulim besteht vielleicht mal gerade aus 20 Häusern, davon bestimmt 18 mit Andenkenläden im Erdgeschoss – meine weitere Reise nach Hampi zu organisieren. Mit dem Zug scheint es schwierig zu sein – weil mal wieder alles ausgebucht ist. Aber es gibt eine Alternative, die durchaus ihren Reiz hat für mich: Ein Nachtbus! Nicht ganz preiswert für hiesige Verhältnisse, aber irgendwie spart man so ja auch eine Übernachtung… und das relativiert die Kosten für die Fahrt. Zur Auswahl stehen zwei Busse: Einer ohne Klimaanlage mit Sitzplätzen und einer mit Klimaanlage und Liegen. Da der Preisunterschied mit 250 Rs. jetzt eher banal ist, fällt mir die Wahl nicht schwer. Und so werde ich mich für 1.500 Rs. zehn Stunden lang durch die Nacht schaukeln lassen – aber zumindest liegenderweise!

Dass das trotzdem kein Spaß wird, ist mir allerdings schon jetzt bewußt – dafür sind die Überlandstraßen einfach in einem zu schlechten Zustand… und das bedeutet nun mal ein ständiges Anfahren, Abbremsen, Ausweichen… alle möglichen Fahrmanöver eben, die einen entspannten Schlaf fast unmöglich machen.

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Den Nachmittag verbringe ich noch am Strand und nach einem entspannten und sehr unterhaltsamen Abendessen zusammen mit einem Paar aus Italien mache ich mich um 20:00 Uhr per Motor-Rikscha auf den Weg nach Margao, der nächstgrößeren Stadt, von der die Nachtbusse aus abfahren.

Die Fahrt dorthin dauert gute 20 Minuten. Ich unterhalte mich mit meinem Fahrer über das Wetter in Deutschland… irgendwie ist das immer der kleinste, gemeinsame Nenner! Und er ist erstaunt, dass es in „Good Old Germany“ keinen Monsunregen gibt.

Die Abfahrt des Busses ist für 21:00 Uhr angesetzt… aber da der Bus schon von irgendwo anders her kommt, hat er – natürlich – mal wieder Verspätung! Aber wie ich ja schon mal geschrieben habe: Ankommen ist schließlich alles – und das funktioniert ja auch immer irgendwie!

Meine bisherigen Erfahrungen mit Nachtbussen in Indien beschränken sich auf eine Fahrt von McLeod Ganj nach Delhi vor drei Jahren. Das war allerdings ein Bus mit Liegesitzen – und eine ziemliche Tortour. So bin ich gespannt, was mich in diesem Gefährt erwartet – schließlich soll es hier richtige Liegen geben.

Um 21:20 Uhr rollt dann zuerst der Bus mit den Sitzplätzen an, direkt gefolgt vom Bus mit den Liegen. Nachdem der Schaffner meinen großen Rucksack im Gepäckraum verstaut hat, suche ich mir meinen Platz im Bus. Dort, wo sich sonst die Sitze befinden sind in diesem Bus Schlafkojen – jeweils zwei übereinander, vielleicht 1,90 m lang und 80 cm breit – wobei diese Liegefläche für zwei Personen ausgelegt ist! Ich habe aber eine komplette Doppelliege für mich allein.

Ich richte mich mit meinen Utensilien häuslich ein und dann geht es auch schon direkt los.

Das Gefährt schaukelt – wie schon befürchtet – ganz ordentlich. Ich versuche also mich in sowas wie eine „stabile Seitenlage“ zu bringen – um nicht bei jeder Kurve quer durch die Koje zu rollen… was irgendwie nicht so leicht fällt, dabei noch bequem zu liegen. Na, das kann ja heiter werden!

Udaipur – Unverhoffter Familienanschluss

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19. November / Tag 33

Der heutige Tag bietet – zumindest was den „offiziellen“ Teil angeht – nur bedingt großes Potential an Erzählbarem: Der Vormittag ist dem Jain-Tempelkomplex in Ranakpur gewidmet, der sich durch die faszinierend detaillierten Marmor-Steinmetzarbeiten auszeichnet.

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Gegen spätem Mittag fahren wir dann weiter zur Festungsanlage von Kumbhalgarh, die sich in einer Entfernung von etwa 15km in den Bergen befindet. Hierbei handelt es sich um die zweitgrößte Festung Rajasthans. Der Gesamteindruck der mächtigen Anlage in der wild zerklüfteten Landschaft ist schon wirklich faszinierend. Aber dazu solltet ihr Euch einfach auf meine zahlreichen Fotos freuen, die das alles viel besser vermitteln, als ich es beschreiben könnte.

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Kurz vor Einbruch der Dunkelheit machen wir uns von Kumbhalgarh auf den Weg zu meiner letzten gemeinsamen Station im Auto – nach Udaipur. Die Strecke von rund 130km legen wir in überraschend kurzer Zeit zurück. Kurz vor acht Uhr sind wir dort.

Schon während der Fahrt hat Radhey etwas davon erzählt, dass er heute nicht im Hotel schlafen würde in Udaipur. Aber weil der „Scherzkeks“ ja schon öfter in der Vergangenheit zu Späßen aufgelegt war, habe ich dieser Bemerkung von ihm keine tiefere Bedeutung beigemessen. In Udaipur angekommen fragt sich Radhey dann zur „Airport Road“ durch. Wir fahren kreuz und quer durch die Stadt. Das Straßenbild draußen verändert sich… wir verlassen wieder die Innenstadt, fahren zweifellos in Richtung Stadtrand. Dann parkt Radhey den Wagen an einer Kreuzung und fordert mich auf mitzukommen. Was kommt jetzt? Was hat er sich denn jetzt wieder ausgedacht?

Mein Fahrer überquert schnellen Schrittes die Straße um dann in einer kleinen Seitenstraße zu verschwinden. Ich folge ihm auf den Schritt. Dann stehen wir zusammen vor einem weißen, eingeschossigen Wohnhaus. Radhey klopft an die eiserne Eingangstür, öffnet diese und betritt das Haus. Ich weiter hinterher. Das Haus besteht aus zwei Zimmern und einer großen Diele. In einem der zwei Räume – der Küche – sitzen eine ältere und zwei jüngere Frauen. Radhey begrüßt alle überschwänglich. Es wird gelacht und gesprochen. Ich setze mich auf die große Pritsche, die an einer Seite des kleinen Raumes steht neben meinen Fahrer… und verstehe erst einmal rein gar nichts.

Wie sich später herausstellt, handelt es sich um Verwandte von Radhey, die dieser mir jedoch als Freunde vorstellt… die jedoch den selben Familiennamen haben wie er. Aber was Verwandtschafts- und Bekanntschaftsverhältnisse angeht, scheint bei meinen Fahrer ohnehin leichte Verwirrung zu herrschen… denn auch der als „Cousin“ vorgestellte Prahlad stellt sich während unserer gemeinsamen Reise einfach „nur“ als Freund heraus.

Zumindest fordert mich Radhey auf doch auch hier bei seinen Verwandten die Nacht zu verbringen und nicht ins Hotel zu gehen. Auch die vermutliche Tante und die zwei Cousinen bekräftigen diesen Wunsch und in Windeseile wird das Zimmer der jüngeren Cousine mit einer zweiten Pritsche bestückt und zu Radheys und meinem Gästezimmer umfunktioniert. Und ich suche mir natürlich kein Hotel nach dieser gastfreundlichen Einladung.

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Das Haus ist sehr einfach. Eine Toilette und eine Dusche gibt es nur in einem separaten Gebäude im Hof. Was natürlich auch bei den hiesigen Temperaturen kein Problem darstellt, denn selbst nachts ist es ja angenehm warm. Aber ob man zu Zeiten des Monsuns dann zur Dusche rudern muss? Und die „Einbauküche“ besteht aus einem zweiflammigen Gaskocher auf dem Fußboden… aber auf dem sitzt man traditionell ja ohnehin während der meisten Zeit des Tages.

Mein Gästebett ist zumindest bequem und ich schlafe innerhalb weniger Augenblicke ein.

Sendepause

19. November / Tag 33

Ihr wartet sicherlich schon alle auf meine letzten Tagesberichte… jetzt waren genau diese letzten Tage jedoch dermassen vollgestopft mit Erlebnissen, dass ich zwar gerade noch zum Schreiben, jedoch nicht mehr zum Absenden der Beiträge gekommen bin… und jetzt stellt sich die Technik wieder einmal quer: Ich komme mit meinem iPod nicht ins Internet hier, weil ich kein WiFi-fähiges Internetcafe ausfindig machen kann (Bin gerade in Udaipur – nur für den Fall, dass Ihr wirklich Euren alten Schulatlas rausgesucht habt… oder einfach bei G00gleMaps ‚mal nachschauen wollt).

Mir geht’s aber gut zur Zeit… bin nur fast etwas gestresst… mein Fahrer versucht mich einfach überall hin zu schleppen und mir alles auf dem Weg zu zeigen… was ja grundsätzlich auch nicht verkehrt ist. Er will halt seinen Job gut machen und mir in der kurzen Zeit so viel wie möglich zeigen… leider überspannt er dabei den Bogen manchmal etwas. Aber in zwei Tagen trennen sich ohnehin wieder unsere Wege. Meine beiden letzten Reisestationen werde ich dann wieder allein besuchen… und wieder mein eigenes Tempo einschlagen.

Das Geld-Problem hat sich übrigens auch gelöst. Es muss mich also niemand von Euch hier abholen kommen…

In diesem Sinne Euch allen ein liebes „Namaste“. Und bleibt bitte dran, ich poste die letzten Tage so schnell wie möglich!