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Badami – Großer Waschtag

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20. Januar – Tag 38

Der Tag beginnt heute mal wirklich planmäßig für mich… alles ist halt möglich in Indien! Und so stehe ich pünktlich um 8:00 Uhr am Bahnsteig um den Zug nach Badami zu nehmen. Der Intercity Express – kein Witz! Das steht so wirklich auf dem Fahrplan – benötigt für diese Strecke zweieinhalb Stunden. Dass die vorgesehene Abfahrtszeit 8:25 Uhr sein sollte, der Zug sich dann aber erst um 8:55 Uhr in Bewegung setzt, lasse ich jetzt mal unerwähnt… irgendwie war früher alles besser!

Durch Zufall bzw. weil es natürlich nirgendwo geschrieben steht, lande ich in einem Waggon, für den man eine Sitzplatzreservierung benötigt. Der Schaffner macht mich bei der Kontrolle der Fahrscheine darauf aufmerksam und verlangt 15 Rs. Zuschlag zu meiner normalen Fahrkarte. Nun gut… für diese 20 Cents bewege ich mich hier bestimmt keinen Zentimeter mehr vom Fleck und gebe meinen Sitzplatz wieder her. Der Schaffner betont auch noch mal ausdrücklich, dass das gar kein Problem darstellen würde. Mit den Worten „Enjoy the comfort!“ verabschiedet er sich von mir – wobei ein solcher Wunsch in diesem Zug schon fast an schwarzen Humor grenzt. Denn komfortabel sind die durchgesessenen, harten Sitzbänke nun mal in keiner Weise. Aber Ankommen ist ja bekanntlich alles!

Wie wir das dann letztendlich geschafft haben, ist und bleibt mir zwar ein Rätsel – aber trotz unserer Verspätung von einer halben Stunde sind wir auf die Minute pünktlich in Badami. Also heute doch mal ein Lob für die indische Eisenbahn!

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Die Stadt Badami – ehemals Hauptstadt der Chalukyas (543-757 n. Chr.) – ist von flachem Ackerland umgeben und reicht nach Osten in eine Schlucht zwischen zwei roten Sandsteinhügeln, die jeweils von einer alten Festungsanlage gekrönt werden. In der Schlucht wurde vermutlich im 5. Jh. der künstliche See Agastya angelegt. Besondere Sehenswürdigkeiten hier sind mehrere in den Fels geschlagene Tempel aus dem 6. Jh.

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Weitere Details zur Geschichte und den einzelnen Tempeln erspare ich euch heute mal! Denn selbst ich habe auch schon langsam so eine Art „Tempelkoller“… und ich muss mir nicht auch noch den Achthundertsiebenundzwanzigsten Shiva-Tempel anschauen! Sicherlich, im Detail gibt es da immer Unterschiede! Aber irgendwie fühle ich mich langsam „gesättigt“ von den vielen Informationen. Ich brauche wohl eine Tempel-Pause!

Aber was in Badami deutlich auffällt, ist die Tatsache – im Gegensatz zu Bijapur – dass hier wirklich alles tip-top gepflegt ist… der Rasen um die Denkmäler ist kurz geschnitten und saftig grün, die Wege sauber und in einem guten Zustand und die kleinen, begleitenden Hecken sind tadellos zurechtgestutzt! Und das alles, obwohl Badami ja noch wesentlich weiter ab vom allgemeinen Touristen-Trampelpfad liegt als Bijapur.

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Auf der anderen Seite – und da kollidieren mal wieder Wunsch und Wirklichkeit – waschen die Frauen des Ortes fleißig in dem künstlichen See ihre Wäsche… was sie wohl auch schon seit Jahrhunderten getan haben. Damals gab es halt nur noch keine chemischen Waschmittel. Und ob diese Chemie dem ökologischen Gleichgewicht des Sees so richtig gut tut, wage ich zu bezweifeln. Zumindest hatte das Wasser eine Algen-grüne Färbung… was jetzt auch nicht wirklich verwundert. Das romantisch-verklärte Bild der Frauen am Ufer, wie sie die Wäsche schrubben und schlagen, mag als Fotomotiv prima taugen… aber der Umwelt tut man damit sicherlich keinen Gefallen. Aber beim Thema Umweltschutz liegt hier einfach noch jede Menge im Argen!

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Morgen muss ich dann wieder zurück nach Bijapur – denn um 21:00 Uhr fährt von dort mein Nachtbus nach Mumbai ab! Und dann geht es ja auch schon fast wieder heim…

Namaste… wo immer ihr auch gerade seid!

Mumbai – It’s fun to stay at the YMCA…

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24. November / Tag 38

Die Fahrt im Nachtbus war jetzt nicht wirklich entspannend – zumal mich der vor mir sitzende Inder mit der Schlafposition seines Sitzes dermaßen „in die Zange genommen“ hat, dass ich kaum noch meine Beine bewegen konnte. Und der zwar nette, aber doch ziemlich korpulente Herr aus Singapur auf dem Sitz neben mir trug auch nicht wesentlich zu einer bequemeren Schlafhaltung meinerseits bei…

Trotz der um eine halbe Stunde verspäteten Abfahrt erreichen wir schon gegen etwa sechs Uhr den Stadtrand von Mumbai – der absolute Wahnsinn! Indiens Stadt der Superlative! 16,5 Mio. Einwohner! Wenn auch nicht die Hauptstadt, so ist es doch die Stadt in Indien, die den Takt angibt. Unsere Fahrt durch die Außenbezirke bis zur letzten Station der Busfahrt – und die liegt noch nicht einmal im Zentrum von Mumbai – dauert eine weitere Stunde. Dann muss ich umsteigen in ein Taxi. Und das setzt mich nach weiteren zwanzig Minuten Fahrt dann in der Nähe des Gateway of India im Stadtteil Colaba ab.

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Jetzt noch eine Unterkunft finden und es kann los gehen mit der Stadterkundung… Im Reiseführer wird das YWCA hoch gelobt, das „weibliche“ Pendant zum YMCA, der Herberge der Vereinigung christlicher junger Männer und spätestens durch die Village People weltweit bekannt… aber der „Frauen-Verein“ nimmt auch Männer zum Nächtigen auf! An der Rezeption bekomme ich hier direkt die schlechte Nachricht unterbreitet: Ausgebucht… komplett für die nächsten Tage! Als ich der Neugierde halber nach dem Preis frage, falle ich fast vom Stuhl… wenn ich auf einem gesessen hätte: 2.150Rs. (31 Euro) pro Nacht! Ich hatte bereits gelesen, dass Mumbai teuer sei… auch gerade im Bezug auf Unterkünfte… aber so teuer hatte ich es dann doch nicht erwartet. Die Frage, ob sie mir eine alternative Unterkunft empfehlen könnten, beantwortet man mir – wie sollte es auch anders sein – mit dem YMCA… direkt „um die Ecke“. Auch hier lässt man sich die christliche Nächstenliebe gut bezahlen: 2.000Rs. (28,80 Euro) je Nacht. Aber fairerweise muss man auch dazu sagen, dass das Zimmer das beste ist, was ich auf meiner gesamten Reise hatte – inkl. Klimaanlage und Fernseher mit Satellitenempfänger und Deutscher Welle TV… obwohl ich bisher bestens ohne diese Errungenschaften ausgekommen bin.

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Mumbai als ehemalige Machtzentrale der britischen Kolonialmacht hat seinen Charme zum Teil in die Jetztzeit hinüberretten können. Viele der Prachtbauten im Bezirk Mumbai Fort – benannt nach der früher hier befindlichen Festungsanlage – südlich von Victoria Terminus – dem wohl berühmtesten Bahnhof der Welt – zeugen von dieser Epoche. Die Straßen sind großzügig, sogar die Trottoirs laden durch ihre verschwenderische Breite zum Flanieren ein. Viele Menschen gibt es hier auch – wie überall auf dem Subkontinent, aber man hat trotzdem (ein wenig mehr) Raum für sich, ist nie von Menschenmassen umschlossen – auch ein ungewohntes Gefühl in Indien! Es ist für hiesige Verhältnisse in Mumbais „Guter Stube“ sogar verhältnismäßig sauber. Der Verkehr scheint geregelter vonstatten zu gehen als anderswo… die knatternden, stinkenden Motor-Rikschas hat man komplett aus der Innenstadt verbannt… ob die teilweise schon uralten Taxen jedoch weniger die Luft verpesten, ist eine andere Frage.

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Doch diese „heile Welt“ sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass in einem Großteil der Stadt eben nicht diese paradiesischen Zustände herrschen. Über die Hälfte der Stadtfläche gilt heute als Slumgebiet… zwei Millionen Einwohner verfügen über keine sanitären Anlagen – mit entsprechenden Konsequenzen für die hygienischen Verhältnisse in diesen Quartieren!

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Nachdem ich dem Gateway of India meinen Pflichtbesuch abgestattet habe, streife ich ziellos durch die Straßen und lasse die Stadt auf mich wirken. Entlang der Mahatma Gandhi Road spaziere ich über einen der vielen Straßenbazare… hier gibt’s Kleider, Hosen, T-Shirts… aber trotz des immensen Angebots wiederholt sich doch alles wieder… Massenware eben, es fehlt das Individuelle, das Kreative – aus der Masse auszubrechen und etwas Individuelles zu schaffen oder zu besitzen, etwas Einzigartiges, das scheint hier zumindest noch kein erstrebenswertes Ziel zu sein.

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Auf der gegenüber liegenden Straßenseite scheint ein großer Park zu sein. Nachdem ich den Eingang ausgemacht habe stellt sich der Park als riesige Wiese heraus, auf der an etlichen Stellen Cricket gespielt wird. Zwischen den Sportlern finden sich verstreute Gruppen von Zuschauern. Auch obwohl ich es beim Thema Cricket mit meinem ehemaligen englischen Gastvater halte, der zu diesem Sport nur meinte, dass er lieber Farbe beim Trocknen zuschauen würde, lasse ich mich trotzdem auf der Wiese nieder und genieße die Atmosphäre an diesem Ort der (relativen) Ruhe… bis ich mich bei Einbruch der Dunkelheit wieder auf den Rückweg zum YMCA mache.

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Übrigens: Nicht, dass ich Euch jetzt neidisch machen wollte wegen des Wetters hier – ich weiß ja, dass Ihr auch eine tollen Herbst hattet. Aber seit Amritsar habe ich hier keine Wolke mehr am Himmel gesehen… ich glaube, das ist schon mindestens drei Wochen her. Und hier in Mumbai hatten wir heute 37 Grad… selbst nach Sonnenuntergang liegt die Hitze noch drückend über der Stadt… zur Mittagszeit ist es fast unmöglich sich auf der Straße aufzuhalten, dermaßen brennt die Sonne vom Himmel. Und am besten macht man es wie viele Inder auch und verzieht sich einfach in den Schatten.

„Namaste“ Euch allen da draußen und passt bitte auf Euch auf!