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Badami – Affentheater am Bahnhof

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21. Januar – Tag 39

In Badami stellt sich mir heute Morgen die Frage: Wie jetzt weiter? In der Nähe befindet sich noch das Dörfchen Pattadakal, welches mit seinen Tempeln sogar die Auszeichnung Weltkulturerbe führt. Aber trotz der vermeintlich räumlichen Nähe sind es mit dem Bus gut anderthalb Stunden Fahrt bis dorthin. Und ich stelle mir die Frage, ob ich dorthin zum Abschluss noch einen Abstecher wagen soll.

Aber die Planung für meine restliche Reise ist schon ziemlich „festgezurrt“: Heute Abend fährt mein Nachtbus um 21:00 Uhr von Bijapur nach Mumbai – und den will ich auf keinen Fall verpassen. Denn das hätte wirklich weitreichende Konsequenzen für meinen weiteren Reiseverlauf… und auch meinen Rückflug!

Das wirkliche Problem bei meiner Planung ist nun allerdings die Tatsache, dass es nur wenige Züge auf der Strecke von Badami nach Bijapur gibt – einen morgens um 9:30 Uhr und dann erst wieder einen um 16:20 Uhr. Und dieser späte Zug würde um kurz vor Acht in Bijapur ankommen. Der Bahnhof liegt aber natürlich am anderen Ende der Stadt – der Busbahnhof, von wo der Nachtbus abfährt, im Stadtzentrum. Wenn jetzt dieser Zug Verspätung hat, geht meine gesamte Reiseplanung nicht mehr auf! Und das mit der Verspätung ist hier ja so eine Sache – wie meine letzten Fahrten mit der Bahn gezeigt haben. Es kann gut gehen – muss aber nicht!

Alternativ könnte ich auch von Badami nach Bijapur mit dem Bus fahren. Hierbei gibt es allerdings das Erschwernis, dass es keinen durchgehenden Bus gibt… d.h. zuerst bis zu einem Örtchen namens Kulgeri fahren, welches an der Schnellstraße nach Bijapur liegt und dort umsteigen in einen anderen Bus. Irgendwie funktioniert das schon, das weiß ich ja… aber am Ende entscheide ich mich für die sichere Seite und nehme den Zug um 9:30 Uhr. Alles andere birgt einfach zu viele unkalkulierbare Faktoren… und die Tempel in Pattadakal müssen bei dieser Reise leider auf meinen Besuch verzichten.

Gegen kurz vor Neun mache ich mich also mit der Motor-Rikscha auf den Weg zum Bahnhof, der in gut 5 Kilometern Entfernung zur Ortschaft liegt. Dort angekommen hat der Fahrkartenschalter noch geschlossen… Nun ja, zur Not fahre ich eben ohne Fahrkarte und löse beim Schaffner nach. So gewaltig sind die Zuschläge hier ja nicht, dass ich mir darüber Gedanken machen würde. Die reguläre Fahrkarte von Badami nach Bijapur kostet übrigens 30 Rs. – knapp 50 Cents – für eine dreieinhalbstündige Fahrt und 124 Kilometer Distanz. Der Passengertrain braucht halt eine Stunde länger als der Express.

Irgendwann bewegt sich dann der Vorhang, der den Fahrkartenschalter vor neugierigen Blicken schützen soll… in der Zwischenzeit hat sich aber schon eine Menschentraube vor dem Fenster mit dem kleinen Loch in der Mitte angesammelt. Und als der Vorhang dann nach weiteren Minuten des Wartens endgültig zur Seite gezogen wird, gibt es kein Halten mehr für die Massen! Ihr könnt euch das Bild ungefähr vorstellen. Mit meinem Gepäck versuche ich tapfer meine Stellung zu behaupten, verliere aber dann doch im allgemeinen Chaos einige Plätze an meine Mitstreiter… schaffe es dann aber doch unbeschadet bis zum Mann am Schalter vorzudringen und mein Ticket zu erstehen.

Zu erwähnen wäre noch, dass an diesem Bahnhof auch eine gefährliche Bande ihr Unwesen treibt… eine Affenbande! Kein Scherz! Ein Rudel von Affen hat sich hier auf dem Bahnhofsgelände eingenistet und stiehlt den Reisenden alles, was essbar ist oder danach aussieht! Akrobatische Szenen gibt es da zu beobachten… aber während meiner Anwesenheit heute morgen konnte ich keinen großen Coup der kleinen Verbrecher beobachten… aber Versuche gab es schon einige!

Um 8:40 Uhr geht es dann los… fast schon planmäßig. Der Zug ist relativ voll besetzt, aber ich finde trotzdem schnell einen Sitzplatz.

Die Fahrt verläuft verhältnismäßig unprätentiös… und draußen zieht eine karge, trockene Landschaft vorbei – der staubige Norden von Karnataka.

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12:48 läuft der Zug dann in Bijapur ein… unglaublich! Wir stellen neue Geschwindigkeitsrekorde auf – denn planmäßig war die Ankunft erst für 13:00 Uhr vorgesehen!

Aber was mache ich jetzt mit dem angebrochenen Tag… und vor allem wohin mit meinem ganzen Gepäck? Denn damit macht es wirklich keinen Spaß unterwegs zu sein…

Vor dem Bahnhof gönne ich mir erst einmal eine süße Kleinigkeit. Hier in der Gegend gibt es tolles Blätterteiggebäck – süß mit kandierten Früchten oder würzig mit Gemüse. Und dazu einen Chai!

Mit meinem Verhalten bringe ich allerdings die gesamte Schar der Motor-Rikscha-Fahrer vorm Bahnhof durcheinander… denn dass man als westlicher Tourist hier einfach „rumlungert“ scheint für die Truppe etwas neues zu sein – mal ganz davon abgesehen, dass sie natürlich Kundschaft suchen. Aber da müssen sie auf mich heute verzichten – in Bijapur gibt es ein ziemlich gutes Stadtbus-Netz. Und nachdem ich ihnen die Nummer der entsprechenden Buslinie und den Fahrpreis runtergebetet habe, lassen sie von mir ab. Sie haben dann wohl bemerkt, dass ich mich hier etwas auskenne…

Die Gepäckfrage löse ich dann so, dass ich einfach noch mal an meinem letzten Hotel hier in Bijapur vorbeischaue… wie sollten sie es auch ablehnen können für ein paar Stunden meine Sachen „zu hüten“… und es funktioniert!

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Von hier mache ich mich dann auf den Weg zum Ibrahim Rauza-Mausoleum… und verbringe dort des Rest des Nachmittags – einerseits mit Fotografieren, andererseits damit, Indern ihre Fragen zu beantworten und Fotowünsche zu erfüllen… was mir mittlerweile auch etwas auf die Nerven geht. Weil man wirklich fast keine 500 Meter durch die Gegend laufen kann ohne angesprochen zu werden. Aber sei’s drum…

Heute Nacht geht es nach Mumbai – mit dem Nachtbus! Ich werde versuchen morgen noch Bericht zu erstatten!

Namaste! … wo immer ihr auch gerade seid!

Mumbai

25. November / Tag 39

Ich verbringe gut zwei Stunden im Internetcafé damit den Blog wieder auf den aktuellen Stand zu bringen – damit ihr die Erlebnisse der letzten Tage auch ordentlich „nacharbeiten“ könnt! Aber ich schreibe dieses Reisetagebuch schließlich ja nicht nur für Euch sondern natürlich auch für mich selbst… denn viele erinnerungswürdige Details und Begebenheiten geraten doch viel zu schnell wieder in Vergessenheit…

Trotzdem fände ich es natürlich fantastisch, wenn Euch die eine oder andere Begebenheit zum Schmunzeln gebracht hat und Euch vielleicht einen kleinen Einblick in das Leben hier vermitteln konnte… auch obwohl Ihr natürlich alles durch meine subjektive „Brille“ gesehen habt… schließlich ist das hier ja auch mein Reisebericht!

Deshalb jetzt noch einmal zum Ende meiner Reise hier der Aufruf an Euch alle – und ganz besonders an diejenigen, die zwar fleißig mitgelesen, aber sich noch nicht zu Wort gemeldet haben: Schreibt mir doch bitte einen kurzen Kommentar zu den letzten Beiträgen… wie es Euch gefallen hat… auch simple Grüße sind natürlich willkommen…

Mein Besuch im Internetcafé hat aber noch zu einer anderen erzählenswerten Begebenheit geführt: Ich habe dort einen jungen Mann aus Saudi-Arabien getroffen. Er lebt seit vier Jahren hier in Mumbai und vermittelt indische Arbeitskräfte in seine Heimat. Und er sprach gar nicht positiv über seine momentanen Gastgeber. Er meinte, niemand wäre hier wirklich ehrlich, jeder immer nur auf seinen Profit und seinen eigenen Vorteil bedacht. Das habe ich zwar so auch festgestellt, jedoch hatte ich angenommen, dass sich ein solches Verhalten schon hauptsächlich auf die Tourismusbranche beschränken würde.

Auch würde sich niemand hier an Regeln oder Gesetze halten… was insofern natürlich auch richtig ist, weil Korruption – gerade auch bei der Polizei oder bei Gericht – ein riesiges Problem in Indien darstellt. Wer gut schmiert, der gut fährt… Everything is possible in India!

Wobei mich das alles aus dem Munde eines Arabers dann doch auch stark verwundert hat… er meinte aber gerade hierzu, dass durch den Koran klare Regeln vorgegeben seien, die niemand wagen würde zu überschreiten. Der Hinduismus hat da ja eher eine lockere Haltung zu den Dingen… und wenn man ‚mal Mist gebaut hat, dann nimmt man halt ein Bad im Ghanges… und Schwamm drüber!

Ich weiß, das ist jetzt furchtbar undifferenziert… aber etwas Wahres steckt schon dahinter. Die Kultur hier unterscheidet sich einfach so maßgeblich von unserer… und so ist die indische Art zu denken vielleicht auch eine ganz andere… Die arabische bzw. islamische Welt steht unserem Selbstverständnis als Christen da wahrscheinlich doch näher.

Chhatrapati Shivaji Terminus (bis 1996 Victoria Terminus)

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